Am 9. August 2007 führte die NPD ihre diesjährige Jahreshauptversammlung für den Kreis Steinfurt in Neuenkirchen durch. Auf dem Programm der NPD standen unter Anderem die Neuwahl des Kreisvorstandes. Hier wurde der Lengericher Matthias Pohl in seinem Amt als Kreisvorsitzender für den Kreis Steinfurt bestätigt. Ihm zur Seite wurde als stellvertretender Kreisvorsitzender der Rheinenser Gerrit Gerdes gestellt. Dieser tritt somit erstmals offiziel als Funktionär der extrem rechten Partei auf. Der Rheinenser ist ungefähr seit dem Jahr 2004 innerhalb der neonazistischgeprägten Partei, gemeinsam mit weiteren Familienangehörigen, aktiv.
Die Mitgliederversammlung der NPD wurde in der Gaststätte “Up halven Weg” in Neuenkirchen bei Rheine durchgeführt. Die lokale Presse recherchierte schnell die Gaststätte und berichtete über dieses Treffen und die Planung der NPD einen Ortsverband in Rheine zu gründen. Zeitlich wollte sich die NPD nicht festlegen, plant aber den Ortsverband noch in diesem Jahr zu gründen. Ob sich hieraus konkrete Konsequenzen für weitere NPD-Aktivitäten für den Raum Rheine ergeben, dass wird die Zukunft zeigen. Eines macht es jedoch deutlich: der NPD ist bewußt, das Sie um Rheine im Kommunalwahlkampf nicht herum kommen wird, wenn der Einzug in den Steinfurter Kreistag gelingen soll.
Wenig erfreut dürfte die NPD über den anschließenden Rauswurf aus ihrer “Stammkneipe” sein. Nach über 30 Jahren muss die NPD sich nun eine neue Lokalität für ihren monatlichen kreisweiten Stammtisch suchen. Der Betreiber der Gaststätte gab in einem Interview mit der lokalen Presse zu verstehen, daß er dem öffentlichen Druck nachgebe und der NPD für die Zukunft den Zutritt zu seiner Gaststätte verweigere. Traurig hingegen ist die Einstellung des Betreibers des “Up halven Weg”, dieser sieht – mit Ausnahme des öffentlichen Drucks – weiterhin kein Problem darin, seine Gaststätte auch der NPD zur Verfügung zu stellen. Immerhin scheint sich diese Einstellung in der Bevölkerung von Neuenkirchen nicht durchgesetzt zu haben.
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“Ich bin in erster Linie Geschäftsmann”
Nach Kritik verteidigt sich Rocco di Salvatore und sagt der NPD für zukünftige Treffen ab
Neuenkirchen – In der vergangenen Woche hielt die NPD in der Gaststätte “Up halven Weg” ihre Kreisversammlung ab. Seitdem steht Gastwirt Rocco di Salvatore in der Kritik, der NPD seine Gaststätte zur Verfügung zu stellen. Im Gespräch mit MV-Redakteur Jörg Homerig kündigt er an, die rechtsextreme Partei zukünftig nicht mehr in seine Gaststätte zu lassen.
Sympathisieren Sie mit der NPD?
Rocco di Salvatore: Nein, auf gar keinen Fall. Ich bin ein völlig unpolitischer Mensch.
Warum lassen Sie dann die NPD in Ihre Gaststätte?
Rocco di Salvatore: Seit 30 Jahren schon treffen sich die Vertreter der NPD ein Mal im Monat in unserer Gaststätte. Das fing schon unter meinem Schwiegervater Josef Eilting an – und der war durch und durch CDU-Mann. Wenn größere NPD-Versammlungen mit 50, 60 Leuten anstanden, hat er das bei uns abgelehnt, weil er unsere Gaststätte damit nicht in der Zeitung sehen wollte. Dann hat sich die NPD in der Altdeutschen Gaststätte Lorenbeck getroffen. Da hat nie ein Hahn nach gekräht.
Warum haben Sie nicht mit dieser fragwürdigen Tradition gebrochen und die NPD längst vor die Tür gesetzt?
Rocco di Salvatore: Warum hätte ich das tun sollen? Das waren immer nur vier, fünf nette und ruhige Leute, die hier zwei, drei Getränke tranken und sonst nicht auffielen. Ich bin in erster Linie Geschäftsmann, ich muss mein Geld verdienen. In der Gastronomie haben wir es ohnehin schwer genug.
Und das die NPD rechtsextrem und ausländerfeindlich ist, hat Sie dabei nie gestört?
Rocco di Salvatore: Ich trenne Geschäft und Politik; was die machen, ist ihre Sache. Ich bin nicht politisch, das interessiert mich nicht. Ich kann ohnehin nicht jeden, der hier hereinkommt, nach seiner politischen Überzeugung fragen. Das steht ja keinem auf die Stirn geschrieben.
Also werden Sie der NPD auch weiterhin Ihre Räume zur Verfügung stellen?
Rocco di Salvatore: Ich denke nicht. Ich werde ja quasi gezwungen, sie vor die Tür zu setzen.
Fühlen Sie sich ungerecht behandelt?
Rocco di Salvatore: Es ist eine Frechheit und unter aller Sau, in welche Ecke wir jetzt in Veröffentlichungen und Leserbriefen gestellt werden. Unser Ruf wid geschädigt.
MV von Samstag 18. August 2007
Wehret den Anfängen!
Leserbrief zum MV-Interview “Ich bin in erster Linie Geschäftsmann”
Der Wirt der Gaststätte “Up halven Weg” und der “Domschänke” symphatisiert zwar nicht mit der NPD, hätte die Neonazis aber gerne weiter bewirtet (“Das waren immer nur vier fünf nette und ruhige Leute. Was die machen ist ihre Sache”). Er kann die Kritik an seinem Verhalten nicht verstehen, fühlt sich ungerecht behandelt und werde leider dazu gezwungen, die Neonazis vor die Tür zu setzen. Zu den Veröffentlichungen in den letzten Tagen sagt er: “Es ist eine Frechheit und unter aller Sau”. Und vor allem geschäftsschädigend!
Lieber Rocco di Salvatore: Ihre Einstellungen zu den Neonazis ist unglaublich naiv, stimmt traurig und wird wohl von fast niemanden geteilt. Die Zeiten der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft, als Mord und Totschlag gegen Unschuldige und Kinder, Jagd auf Juden, Zwangsarbeiter und Deportationen in Deutschland an der Tagesordnung waren, können auch Sie nicht wirklich vergessen haben. Das war das Ergebnis menschenverachtenden braunen Gedankengutes der geistigen Väter ihrer “netten und ruhigen” Nazi-Gäste. Und zwar auch in Neuenkirchen. Warum wohl gibt es in unserm Dorf die Familie-Hoffmann-Straße (sie erinnert an die jüdische Familie Hoffmann aus Neuenkirchen, Anm. d. Red.)?
Sie sollten mal wieder ins Kino gehen oder sich eine DVD ausleihen. Wie wär´s zum Beispiel mit “Schindlers Liste”? Oder hat Auschwitz vielleicht doch gar nicht stattgefunden? Wir organisieren gerne für Sie und ihre Gäste eine Fahrt dorthin! Unpolitische Menschen, die davon nichts wissen wollen und lieber wegschauen oder beschwichtigen, waren und sind Mitverursacher allen Übels.
Und die beängstigende Aktualität dieses Themas wurde an diesem Wochenende am Beispiel der gespenstischen Hetzjagd auf Inder in Sachsen durch eine Nazi-Parole grölende Horde überdeutlich.
Obwohl ausgerechnet der dortige FDP-Bürgermeister nicht glauben amg, dass es in seinem Dorf rechtsextremes Gedankengut gibt.
Es bleibt dabei: Wehret den Anfängen! Auch in Neuenkirchen im August 2007.
Joachim Koch
FDP Neuenkrichen
MV vom 22. August 2007