Immer dieser doofe Kapitalismus – eine Einführung
852 Millionen Menschen hungern auf der Welt, obwohl Nahrung für gut das doppelte der Weltbevölkerung vorhanden ist. Die industrielle Produktionsweise geht hauptsächlich durch den Einsatz von fossilen Brennstoffen (z.B. Öl) von statten und die dadurch verursachte Zerstörung der Natur, so wie die weltweiten negativen Folgen durch den Klimawandel, werden in Kauf genommen.
Und dennoch wird der Kapitalismus als beste und effizienteste Wirtschaftsform verkauft. Kritik ist meist nur in der Form zu hören, dass ein gerechterer Kapitalismus gefordert wird. So das z.B. in internationalen Abkommen sich auf ein Grenze für den Ausstoß von CO2 geeinigt wird oder aber arme Länder von reicheren unterstützt werden sollen, wie auch direkte Forderungen nach mehr Lohn und besseren Arbeitsbedingungen.
Doch ist ein gerechter Kapitalismus überhaupt denkbar und möglich? Um diese Frage zu klären, müssen wir erst mal schauen: Was ist überhaupt Kapitalismus?
Sklavenhaltergesellschaft – Feudalismus – Kapitalismus
Im Gegensatz zur Sklavenhaltergesellschaft und dem Feudalismus haben Menschen im Kapitalismus nicht unmittelbare Gewalt über andere Menschen. Damals waren Sklaven das Eigentum von ihrem Besitzer, Leibeigene waren an ihren Grundherren gebunden und dieser konnte von ihm Arbeit oder Arbeitsprodukte verlangen, wie z.B. Fronarbeit oder den Zehnt seiner Ernte. Im Kapitalismus sind alle Menschen formell gleichgestellt, das bedeutet alle sind vor dem Gesetz gleich und es gibt keine Menschen die irgendwelche Privilegien von Geburt an gegenüber anderen haben, wie z.B. Adlige im Mittelalter oder Handwerker welche alleinig das Anrecht hatten ihr Handwerk auszuüben.
Diese Freiheit und Gleichheit, welche vom Staat überwacht und garantiert wird, ist nötig, damit ein Warenaustausch im Kapitalismus reibungslos von statten gehen kann.
Dies beinhaltet ein vermeintliches Glücksversprechen für jeden einzelnen, nach dem Motto „wer hart arbeitet, der bringt es auch zu was“. Dass diese Aussage in das Reich der Mythen zu verordnen ist, ist bei kurzem Nachdenken über die eigene Situation oder dem Bekanntenkreis klar. Dazu kommt die reale materielle Ungleichheit, salopp gesagt zwischen Geld haben oder eben nicht haben, welche zu Hierarchien und eben Ungleichheit führt. Diese Widersprüche zu der posttitulierten Gleichheit legen den Schluss nahe, dass eben doch Menschen über Menschen herrschen. Allerdings verschleiern diese Begebenheiten nur das apersonelle Herschaffverhältnis im Kapitalismus, welches in der Struktur an sich steckt – der Zwang der Kapitalvermehrung.
Wie wird im Kapitalismus produziert?
Im Kapitalismus kann von zwei Klassen gesprochen werden, zwei Gruppen von Menschen die sich in einem Punkt wesentlich unterscheiden. Es gibt die Unternehmer, diejenigen, die über Kapital verfügen, welches sie gewinnbringend anwenden. So wird unter Kapital genauso eine Industrie verstanden in welcher Waren produziert werden, wie auch Geld welches investiert wird. Auf der anderen Seite gibt es die Menschen welche nicht über Kapital verfügen, sondern alleinig über ihre Arbeitskraft, welche sie verkaufen müssen, um dadurch ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können – die Arbeiterinnen und Arbeiter.
Der Kapitalist bezahlt Arbeiterinnen und Arbeiter, damit diese seine Maschinen und Computer bedienen, um Waren herzustellen. Diese werden nun auf dem Markt angeboten und zu einem bestimmten Preis verkauft. Da die Waren auch irgendwie zu ihrem Bestimmungsort kommen müssen, sind Lkw-Fahrerinnen oder Kassierer im Supermarkt ebenso Arbeiterinnen und Arbeiter, wie diejenigen welche an einem Fließband Stühle zusammen schrauben. Ein angestellter Schauspieler und eine Taxifahrerin fallen ebenso unter den Begriff ArbeiterIn, sie produzieren auch Waren. Nämlich ein Theaterstück oder den Transport von der Kneipe zurück nach Hause, nur ist diese Ware nicht direkt anfassbar und wird direkt konsumiert.
Natürlich soll und muss bei dem Verkauf ein Gewinn für den Kapitalisten abfallen. Schließlich verschleissen z.B. die Maschinen und diese wollen dann ja neu gekauft werden, ansonsten könnten keine neuen Waren mehr produziert werden. Aber er ist auch immer darauf bedacht möglichst günstig zu produzieren, d.h. auch neue technisch bessere und schneller produzierende Maschinen zu erwerben. Würde er nicht mit der Technik bzw. mit der Produktion seiner Konkurrenz versuchen schritt zu halten, könnte er sein Unternehmen gleich schließen.
Ein Beispiel:
Gehen wir einfach davon aus. dass zwei Unternehmen ungefähr zu gleichen Bedingungen Stühle gleicher Qualität herstellen. Dann bieten beide die Stühle zu einem gleichen Preis an, so dass beide ihr zuvor investiertes Kapital in Holz, Leim, Maschinen und Lohn für die Arbeiterinnen und Arbeiter wieder einnehmen. Kauft jetzt aber der eine Kapitalist eine neue bessere Maschine, die schneller die Stühle herstellen kann, so produziert er in kürzerer Zeit mehr Stühle. Somit sinken seine Kosten und er kann seine Stühle günstiger herstellen als das andere Unternehmen. Die teureren Stühle des anderen Unternehmen werden nicht mehr gekauft und es würde pleite gehen, wenn es nicht ebenfalls versucht günstiger zu produzieren. So könnte es u.a. weniger Lohn für seine Arbeiterinnen und Arbeiter bezahlen damit seine Stuhlproduktion günstiger wird.
Der Kapitalist steht also in einem stetigem Konkurrenzkampf zu anderen. Aber dies betrifft nicht nur die Kapitalisten, sondern auch die Arbeiterinnen und Arbeiter. Diese bieten ja ebenfalls eine Ware, nämlich ihre Arbeitskraft auf einem Markt, dem Arbeitsmarkt, an. Eigentlich befinden wir uns in der guten Situation, dass wir einen so hohen technischen Fortschritt genießen können, dass viele Waren mit sehr wenig aufwand hergestellt werden können, d.h. nicht viel Arbeitskraft (Arbeitskräfte) mehr von Nöten ist (sind), um beispielsweise einen Stuhl herzustellen oder ein Feld zu ernten. Aber der Effekt ist nun nicht, dass alle Menschen weniger Arbeiten müssen und dafür mehr Waren konsumieren. Nein, sie sind gezwungen untereinander um die wenigen Arbeitsplätze zu kämpfen. Sie müssen sich also durch eine bessere Qualifikation gegenseitig überbieten und durch die Bereitschaft für weniger Lohn zu arbeiten unterbieten. Wie stark dieser Konkurrenzdruck wie eine Selbstverständlichkeit die Gesellschaft durchzieht und sich nicht nur in der Wirtschaft äussert ist uns allen durch die Schulzeit bekannt (Siehe Text zur Schulkritik).
Des Weiteren führt die Überproduktion, das Produzieren von zu vielen Waren um diese gewinnbringend zu verkaufen, nicht zu Luxus oder wenigstens zur Versorgung mit allen lebenswichtigen Gütern für alle. Denn obwohl Leute auf der Welt verhungern, werden die Waren zerstört, damit ein Preis künstlich hochgehalten werden kann.
Wie entsteht denn eigentlich der Profit?
Die Antwort ist simpel aber wird oft missverstanden. Es ist richtig, dass Kapitalisten ihren Mehrwert, Geld was sie beim Verkauf einer Ware mehr bekommen, als sie vorher investiert haben, durch Ausbeutung der Arbeiterinnen und Arbeiter bekommen. Oft sind Forderung von gerechteren Löhnen zu hören, aber nicht im Lohndumping oder schlechten Arbeitsbedingungen liegt der Knackpunkt. Die Arbeitskraft ist wie oben beschrieben eine Ware, genauso wie ein zum Verkauf hergestellter Stuhl. Der Preis eines Stuhl wird geringer, sobald zu viele produziert werden, weil sonst der Kapitalist diese gar nicht absetzen kann. Der Kapitalist hat die Möglichkeit auf Tische umzusatteln, um durch die Herstellung dieser sein Kapital zu vermehren, die Arbeiterinnen und Arbeiter nicht. Wenn das Angebot von nicht gebrauchter Arbeit steigt, z.B. durch technische Verbesserungen, sinkt damit ihr Preis, also der Lohn. Damit dieser nicht zu sehr fällt wurden und werden Gesetze vom Staat erlassen, damit ein Mensch von seiner Arbeit, sofern er eine oder mehrere hat, noch leben kann. Somit ist es also nicht der niedrige Lohn für die Arbeitskraft wodurch der Mehrwert erschaffen wird, denn dieser wird zum vollem Marktpreis bezahlt.
Auch schaffen nicht Maschinen welche Waren produzieren auf magische Weise Mehrwert, da die Maschine zu einem Preis gekauft wurde und in jedes Produkt welches sie herstellt ein wenig von ihren Kosten abgibt bis sie kaputt ist und das in sie investierte Geld abgegeben hat.
Ein Beispiel:
Kauft ein Kapitalist eine Maschine mit der Stuhlbeine zurecht gesägt werden für 100.000€ und die Maschine geht nach 200.000 gesägten Stuhlbeinen kaputt, dann hat sie an jedes Stuhlbein 0,50€ an Wert abgegeben.
Die Ausbeutung der Menschen findet auf einer anderen nicht unbedingt für sie wahrnehmbarer Ebene statt. Stellen wir uns vor ein Mensch müsste 8 Stunden am Tag arbeiten, um seinen Lebensbedarf zu decken. 4 Stunden am Tag bestellt er sein Feld um etwas zu essen zu bekommen und die anderen 4 Stunden baut er an seinem Haus holt Holz für den Kamin etc.. Nun ist es heutzutage glücklicherweise nicht so, dass wir uns alle selber versorgen müssen, sondern die Arbeit geteilt ist und somit Produkte schneller und einfacher hergestellt werden können. So könnte sich unser Mensch auf die Herstellung von Stühlen spezialisiert haben und innerhalb von 8 Stunden 4 Stühle herstellen. Er muss aber nur 3 Stühle verkaufen um sich genug Lebensmittel und andere wichtige Dinge zu kaufen um sich am Leben zu erhalten. Also muss er folglich nur noch 6 Stunden am Tag arbeiten, weil die Produktion von 3 Stühle genug für ihn zum Leben ist. Im Kapitalismus ist es aber so, dass unser Mensch bei einem Unternehmen angestellt ist, indem er 8 Stunden arbeitet und dafür seinen Lohn bekommt, um seine Arbeitskraft wieder zu reproduzieren, sprich Lebensmittel kaufen kann. Allerdings hat er diesen Wert schon in den ersten 6 Stunden erarbeitet, seine veräusserte Arbeitskraft in den letzten zwei Stunden und der damit produzierte Wert, also in unserem Beispiel die Herstellung von Holz zu einem Stuhl, eignet sich der Kapitalist an. Bei einem erfolgreichen Verkauf am Markt erwirtschaftet der Kapitalist dann seinen Profit.
Unser Arbeiter verleimt Holzbeine mit der Sitzfläche. Der Stuhl hat einen bestimmten Wert, nämlich den Wert des Grundstoffes (Holz und Leim), der Wert welcher von den Maschinen auf ihn übergegangen ist und der Wert der Arbeit, die nötig war, um die bestimmten Teile wie Lehne und Beine miteinander zu verbinden. Sagen wir der gesamte Wert, der Preis unseres Stuhles ist 15€. Zur Einfachheit gehen wir davon aus dass der Grundstoff, die Maschinen und die investierte Arbeitszeit jeweils einen Wert von 5€ da zu beigesteuert haben. Stellt unser Arbeiter in einer Stunde 3 Stühle her. Somit produziert er in einer Stunde einen Wert von 15€, an einem Tag also 120€. Er bekommt aber nur einen Lohn von 80€ ausgezahlt, von welchem er auch gut Leben kann, aber der Kapitalist eignet sich die 40 € Mehrwert an.
Hierbei kommt es den ArbeiterInnen genau wie den Kapitalisten so vor als ob der Lohn die Bezahlung der geleisteten Arbeit sei. Jedoch ist der Lohn nur der Wert der Arbeitskraft für acht Stunden arbeit und nicht der Wert der in acht Stunden bei der Arbeit produziert wird. Somit ist es wichtig festzuhalten, dass die Ausbeutung in der kapitalistischen Produktionsweise selbst steckt – also bei einem kleinen Unternehmen, wie der Imbissbude von neben an, genauso wie bei großen Unternehmen, z.B. internationalen Fast-Food-Ketten.
Verwendung des Profits
Der Profit wird nur zu einem kleinen Teil vom Kapitalisten für eigene Luxusmittel, wie schnelle Autos, große Fernseher ausgegeben, sondern wird umgehend wieder in sein Unternehmen investiert, um weiterhin erfolgreich auf dem Markt zu sein. Möglich ist es auch, dass der Kapitalist sein Geld verleiht, an andere Kapitalisten, welche z.B. jetzt Tische herstellen möchten, weil momentan Stühle nicht so gefragt sind. Um sich aber neue Maschinen zur Tischherstellung leisten zu können, müssen sie sich Geld leihen. Von dem Gewinn der verkauften Tische, welcher durch die Arbeiterinnen und Arbeiter produziert wurde, wird nun der Kredit und die fälligen Zinsen zurückbezahlt und der Rest fließt wieder in die Tischproduktion. Dieses „Verleihen“ kann durch direkte Investitionen in andere Firmen, durch Aktienkäufe oder einfach durch Geldanlegen bei einer Bank erfolgen, die dann das Geld verleiht/investiert.
Ob ein Unternehmer also nun spekuliert, dass die Tischproduktion ihm später auf dem Markt den erhofften Mehrwert wirklich einbringen wird, oder aber jemand an der Börse spekuliert und in Tisch-Aktien investiert, macht keinen Unterschied.
Was ist eigentlich der Wert einer Ware?
Wie wir gesehen haben ist nur der Wert einer Ware im Kapitalismus bestimmend. Ein Gegenstand der für den Verkauf hergestellt oder aber auch wie Holz zum Verkauf abgebaut wird, drückt ihren Wert im kapitalistischen System in Geld aus. Wobei Geld nichts anderes ist als eine Form, mit dem der Wert einer Ware zu anderen Waren ausgedrückt wird.
Ein Beispiel:
Ein Tisch ist soviel Wert wie drei Stühle oder sechs Kinobesuche oder ein paar Schuhe oder eben 45€.
Diesen Wert dürfen wir nicht mit dem Gebrauchswert verwechseln, welchen ebenfalls eine Ware trägt. Auf einem Stuhl kann ich sitzen, auf einen Tisch etwas stellen. Je nach Situation ist dieser Gebrauchswert für mich persönlich gut zu gebrauchen oder auch nicht. Habe ich eine große Familie oder viele Freunde, sind für mich mehrere Stühle wichtig, damit alle einen Sitzplatz haben. Besitze ich nun wenig Stühle ist ein weitere Stuhl für mich wichtig. Habe ich aber nur wenig Platz in meinem Zimmer und treffe mich meist bei anderen, dann ist ein weiterer Stuhl unwichtig für mich und somit der Gebrauchswert des Stuhles für mich gering. Der Tauschwert, der Wert auf dem Markt, des Stuhles bleibt aber in beiden Situationen gleich, also stecken zwei verschieden Wertformen in ihm. Wobei nur letztere im kapitalistischen System wirklich zählt und wichtig ist (natürlich muss er auch einen gewissen Gebrauswert haben, da ihn sonst niemand kaufen würde). D.h. folglich das ein Tischler zwar einen Stuhl herstellt, aber im Endeffekt nur zählt, dass er Tauschwert produziert hat. Der Wert des Stuhl kommt aber nur zustande, da wir Menschen uns zu dem Stuhl als Ware verhalten, ihn produzieren und tauschen. Also hat ein Stuhl nicht von Natur aus diesen Wert, sondern unbewusst fügen wir Menschen ihm diesen hinzu. Allerdings messen die Menschen nicht nur Dinge, sonder auch sich selbst in der kapitalistischen Gesellschaft an ihrem Wert auf dem Markt.
Denn wie wir schon im Abschnitt über die Entstehung des Profites gesehen haben, zählt im Prozess der Produktion alleinig die Verwertbarkeit des Menschen, sprich die Schaffung von Mehrwert. Diese regelrechte Zurichtung für den Arbeitsmarkt, sprich zur Verwertung, kann täglich in der Schule, an der Uni, auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle oder einem Arbeitsplatz erlebt werden. Ein gutes Beispiel dafür sind die neu eingeführten Studiengebühren, welche die Teilung des Schulsystems und damit Siebung der Menschen in Haupt-, Realschule und Gymnasium nur verstärkt. Ohne große Erbschaft, muss sich jede und jeder dreimal überlegen, ob sie/er studiert und es wirklich schafft in der Regelstudienzeit, am besten aber noch schneller, fertig zu werden und somit fit für den Arbeitsmarkt zu sein. Die, die sich nicht dem Leistungsdruck gewachsen sehen, sollen sich gleich mit dem Schicksal von billig Jobs abfinden. Schlechte Noten, keine Lehrstelle oder Arbeitsplatz sei die Schuld von einem selbst, aufgrund von Faulheit oder der nicht Bereitschaft für wenig Geld zu arbeiten, wird einem unterstellt. Vorwürfe die so verinnerlicht werden, dass sie mit der sowieso vorhandenen Zukunftsangst nur noch mehr zur Selbstzurichtung führen. Doch kein Mensch ist persönlich daran Schuld, dass das Kapital momentan auf seine Arbeitskraft nicht angewiesen ist und er somit regelrecht Überflüssig in diesem System ist.
Zurück zu unserer Eingangs Frage – ist ein gerechter Kapitalismus möglich?
Fassen wir kurz zusammen was wir an Hand der obigen Mechanismen, simplen Beispielen und zugegeben sehr vereinfachten Darstellung des Kapitalismus für Schlüsse ziehen können:
Der Zweck des Kapitalismus ist es Kapital zu vermehren. Das Kapital ist niemals in Ruhe, sondern die ganze Zeit im Fluss. Es wird investiert und der Gewinn (Mehrwert) wird sogleich wieder investiert, um wieder Gewinn abzuwerfen, dieser Gewinn wird wieder investiert usw. usf.
Würde ein Kapitalist sich diesem verweigern und seinen Angestellten mehr Lohn zahlen wollen als andere vergleichbare Unternehmen, würde er in kurzer Zeit pleite gehen, da seine Produktionskosten zu teuer würden. Ähnlich sieht es beim Umweltschutz aus, denn Rücksicht auf die Umwelt zu nehmen hemmt ebenso die Kapitalvermehrung. Deswegen gibt es auch keine „guten“ oder „bösen“ Kapitalisten, genau so wenig wie es „gute“ oder „böse“ ArbeiterInnen gibt, weil alle Mensche nur nach den für sie scheinbar „naturhaften“ Prinzipien des Tausches handeln und somit zeitgleich diese aufrecht erhalten.
Staatliche Gesetze für Mindestlöhne und Naturschutz können zwar zeitweise die schlimmsten Auswüchse eindämmen, aber auch nicht mehr. Was nützt es Kindern welche z.B. in Afrika unter schlimmen Bedingungen Schuhe nähen müssen, wenn in Deutschland Kinderarbeit verboten ist. Zumal erkämpfte Verbesserungen für ArbeitnehmerInnen wie Kündigungsschutz oder Tarifverträge (d.h. ein einheitlicher Lohn für gleiche Arbeit) in Krisen, wenn die Verwertung des Kapitals ins Stocken gerät, wieder abgeschafft werden, wie wir es u.a. momentan in Deutschland mitbekommen.
Was nützt eine große Produktion von Lebensmitteln und anderen Gütern den Menschen, wenn diese nicht davon profitieren können. Der Kapitalismus dient nun mal nicht dem Zweck die Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen, sondern dem alleinigem Zweck der Vermehrung von Kapital. Deshalb muss die ganze Produktionsweise, das was den Kapitalismus ausmacht, abgeschafft werden, denn kleine Korrekturen oder der oft zu hörende Ruf nach Umverteilung von Reichtum werden niemals die Möglichkeit bieten, allen Menschen ein besseres Leben zu ermöglichen. Denn der Kapitalismus folgt nun mal seinen eigenen Gesetzen.
Wir Menschen sind zwar der Herrschaft des Kapitals scheinbar machtlos ausgeliefert, aber gleichzeitig haben wir dieses System auch erschaffen und halten es am laufen. Also ist es uns auch möglich dieses zu durchbrechen.
Antifaschistisches Netzwerk Münster- und Osnabrücker Land, 2007
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