
30 AntifaschistInnen protestierten am Sonntag, den 16. September gegen den „Tag der Heimat“ in Münster, der um 10.30 Uhr im Saal des Rathauses begann. Die AntifaschistInnen führten eine spontane Kundgebung vor dem Rathaus-Eingang durch und begrüßten die eintreffenden BdV-Mitglieder mit Transparenten. Die Polizei – mit Kräften der Einsatzhundertschaft Recklinghausen vor Ort – wies die AntifaschistInnen auf die gegenüberliegende Straßenseite. Gegen 11.00 Uhr wurde die Kundgebung beendet. Die BdV-Veranstaltung konnte beginnen. Jugendlichen ZuhörerInnen war zuvor von der Kreisverbandsvorsitzenden Roswitha Möller der Zutritt verwehrt worden. Der „Tag der Heimat“ ist die zentrale Veranstaltung des Bund der Vertriebenen (BdV). Unter dem Deckmantel einer Kultur- und Gedenkveranstaltung wird öffentlichkeitswirksam der deutsche Anspruch auf den Osten („Das Recht auf Heimat“) gefordert. Dass sie sich dabei als arme Opfer präsentieren liegt in der Natur der Sache: Würden sie die aktive Rolle vieler „Heimatvertriebener“ bei den Verbrechen des NS-Regimes thematisieren, würde ihr „Recht auf Heimat“ als bodenlose Frechheit und ungeheuerliche Anmaßung erscheinen.
Bei der “Gedenkveranstaltung” sprach neben Möller der Solinger Landtagsabgeordnete Horst Westkämper (CDU).Der Beauftragter für Heimatvertriebene und Spätaussiedler ist eng mit dem Bund der Vertriebenen verbunden. Als Beweis für angeblich bewahrenswertes “ostdeutsches Kulturgut” spielte eine Blaskapelle und trat eine Kindertanzgruppe, komplett in Trachten gekleidet, auf.
Nach der Veranstaltung wollte der BdV noch eine Gedenkveranstaltung am erst 2003 errichteten BdV-Denkmal am Servatiiplatz abhalten. Allerdings trat ein großer Teil der Gäste den circa zehn minütigen Fußmarsch nicht an, was wohl nicht nur auf Gehprobleme einiger alter Damen und Herren zurück zu führen ist. Von der antifaschistischen Kundgebung am Morgen sichtlich genervt, wollten sie ein zweites aufeinander treffen mit den Protestierenden verhindern. Die AntifaschistInnen indes veranstalteten ihre zweite Kundgebung in unmittelbarer Nähe des Denkmals. Eintreffende BdV-Mitgliedern wurden mit Parolen wie “NPD und BDV – Macht euch in Geschichte schlau!” und “BdV, Nationaldemokraten – Wir bleiben dabei: Heimat verraten”. Verbale Aggressionen löste auch der folgende, polemische Gesang aus: “Polen ist ein schönes Land, da lässt es sich gut leben – Würd Polen heut noch größer sein, würd`s Deutschland nicht mehr geben!” Ein Teilnehmer der BdV-Versammlung quittierte dies mit “Ausländer raus”.
Das Denkmal selbst war von Unbekannten mit brauner Farbe übergossen worden. So äußerte sich eine geschockt wirkende Roswitha Möller in ihrer kurzen Rede, vor allem über die Tat und die protestierenden Jugendlichen, die von deutscher Geschichte nichts wüssten. Diese habe nämlich nicht erst 1939 begonnen. Die Andeutungen Möllers wurden im Publikum verstanden. Die Polen hätten ja schon viele Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg die Vertreibung der Deutschen geplant, hieß es dort. Möller rief zuletzt die Mitglieder auf, Ruhe zu bewahren. Sie seien sich der Solidarität und des Mitgefühls der politisch Verantwortlichen in der Stadt sicher. Gerade diese Unterstützung des BdV durch die Stadt Münster – z.B. durch der Überlassung des Rathauses oder durch Grußworte der VertreterInnen des Bürgermeisters – hatte die AntifaschistInnen auf die Straße getrieben. Eine Organisation, die eine völkische Ideologie verbreite, die die Nachkriegsgrenzen in Europa nicht anerkennen möchte und ununterbrochen Geschichtsverdrehung betreibe, dürfe keine städtische Unterstüzung erhalten. Überhaupt sei eine Auflösung des Verbands die beste Lösung.
Weiterlesen: Jörg Kronauer: “Recht auf Heimat” – “Vertiebenen”-Verbände und “Volksgruppen”-Politik, aus: LOTTA, Nr. 20 hier downloaden (pdf)
Antifaschistische Aktion Münster & VVN/BdA Münster: Heimat verraten! Flyer zum Tag der Heimat 2007, hier lesen
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