Die neonazistische NPD hat am vergangenen Sonntag, den 4. November 2007, einen Ortsverband für die Stadt Rheine gegründet. Zur Vorsitzenden des Ortsverbandes wurde, die in Rheine-Mesum lebende, Iris Niemeyer gewählt. Ihr zur Seite steht ihr Lebensgefährte und stellvertretender Kreisvorsitzender Gerrit Gerdes. Beide sind seit einigen Jahren in der extrem rechten Partei aktiv und traten immer wieder durch die Beteiligung oder Organisierung unterschiedlichster Aktivitäten in Erscheinung.
Die NPD kündigte in diesem Zusammenhang in einer Pressemitteilung ihr Ziele an: “gegen die massive Überfremdung … werden wir uns zur Wehr setzen”. Ihre wahnhaften Vorstellungen einer herbeihalluzinierten “Überfremdung” haben sie bereits in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder zum Ausdruck gebracht. So verteilten die NPD-Mitglieder immer wieder Flugblätter mit rassistischen Inhalten und hetzten beispielsweise nach einem Mord durch einen psychischkranken Mann in Greven gegen Menschen, die aus ihrer Sicht nicht in Deutschland leben sollten. Die Staatsanwaltschaft Münster ermittelt wegen Volksverhetzung gegen Mitglieder des NPD-Kreisverband Steinfurt. Auch in Rheine selbst wurde versucht sich in kommunalpolitischen Themen ein Profil zu verpassen. Auch hier wurden durchweg rassistische Antworten auf gesellschaftliche Probleme gefunden und verbreitet. So kündigte die NPD an, mit ihrer rassistischen Ausgrenzungspolitik bereits bei den jüngsten Mitgliedern dieser Gesellschaft ansetzenzuwollen. So soll es im Rahmen einer kommunalen NPD-Schulpolitik zum Zwang werden, Kinder, die nicht in das rechte Weltbild der wahnhaften NPD-Mitglieder passen, getrennt zu unterrichten und perspektivisch in “ihre Heimatländer” abzuschieben. Jegliche Formen gesellschaftlicher Partizipation von Menschen und Gruppen, die den NPDlern nicht passen, wird kategorisch ausgeschlossen. Die NPD-Politik hat ihr Fundament auf Ausschluss und somit struktureller Benachteiligung und rassistischer Gewalt gebaut.
Mit der Gründung des NPD Ortsverbandes Rheine setzt der NPD-Kreisverband Steinfurt ihre Vorbereitungen für den Kommunalwahlkampf 2009 fort. Aktuell sollen die Strukturen der NPD ausgebaut und neue Aktivisten in die rechte Partei zu integrieren. In diesem Zusammenhang ist die nun erfolgte Ortsverbandsgründung nur ein kleiner Meilenstein in Richtung eines größeren Wahlkampfes 2009. Momentan laufen vermehrt Aktionen der NPD im Rahmen des Landtagswahlkampfes in Niedersachsen. So wird momentan eine Doppelkundgebung der neoanzistischen Partei in Georgsmarienhütte und Vechta für den 17. November organisiert. Als Spitzenkandidat für Vechta tritt der Lengericher Markus Pohl, der zeitgleich als stellvertretender Vorsitzender der NPD Münster und als Beisitzer im NRW-Landesvorstand mehrere Parteiämter in der extrem rechten NPD bekleidet. Der NPD-Kreisverband Münster kündigt jüngst ebenfalls an, auf eine eigenständige Kandidatur bei der Kommunalwahl 2009 zu verzichten und alle “nationalen Kräfte” auf den Kreis Steinfurt zu konzentrieren.
Rheine und dem Kreis Steinfurt werden wahrscheinlich ein aktiver und rassistischer Wahlkampf der NPD im Jahre 2009 bevorstehen. Dagegen gilt es bereits heute Widerstand zu organisieren und der rechten Partei Handlungsspielräume zu nehmen.
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Sechs Rechtsextreme bilden Ortsverband
Rheine – Die rechtsextreme NPD ist seit Sonntagabend mit einem Ortsverband in Rheine vertreten. Das teilte die Partei in einer Presseerklärung mit. Zur Vorsitzenden sei einstimmig die Rheinenserin Iris Niemeyer – (Foto) gewählt worden.
“Wir haben uns mit sechs Leuten getroffen – und dann wurde ich gewählt”, berichtete Niemeyer. Man habe in Rheine getagt, weitere Angaben zum Tagungsort wollte Niemeyer nicht machen. Ziel sei es, künftig als Ansprechpartner in Rheine zur Verfügung zu stehen, sagte die 33-jährige Vorsitzende. Ihre Gruppe wolle sich an der Karmann-Demonstration am 24. November beteiligen.
Ob die NPD künftig zu Kommunalwahlen in Rheine antreten wird, ist laut Niemeyer noch nicht entschieden. “Wir müssen Kandidaten finden, die bereit sind, in der Öffentlichkeit für die NPD aufzutreten”, sagte sie.
Die Vorsitzende Niemeyer war erst vor wenigen Wochen in den Schlagzeilen. Der Sozialpädagogin war im Jugendzentrum HOT Alte Dame fristlos gekündigt worden, nachdem ihre NPD-Aktivitäten dort bekannt geworden waren. Den HOT-Mitarbeitern war ein Foto einer Neonazi-Demo in Braunschweig aus dem Jahr 2005 gezeigt worden. Auf diesem sind sowohl Niemeyer als auch ihr ebenfalls am Sonntag gewählter Stellvertreter, Gerrit Gerdes, zu erkennen.
Die Kündigung im Jugendzentrum war laut Niemeyer ein wichtiger Grund für ihre Wahl. “Ich stehe in der Öffentlichkeit – bin in Rheine bekannt.”
Keine Freude löste die Gründung bei Bürgermeisterin Dr. Angelika Kordfelder (SPD) aus: “Wir wollen in Rheine eine weltoffene Atmosphäre erhalten und weiter entwickeln. Dazu passt das Menschenbild der NPD ganz und gar nicht.” Sie befürchtet, dass die NPD die Situation bei Karmann für ihre Zwecke ausnutzt. Auch deshalb werde es bei der Kundgebung keine Parteistände geben.
“Wir sind uns mit allen Fraktionen einig, dass wir andere Kulturen als Chance ansehen”, sagte Angelika Kordfelder. Das Thema NPD wird auch auf der nächsten Sitzung des Bündnisses “Aktiv Demokratisch – Rheine gegen Rechts” am Mittwoch besprochen werden.
Münstersche Zeitung – Lokalteil Rheine