Skip to content


Brandanschlag in Nordwalde

veröffentlich am Dienstag, 13. November 2007

In der Nacht vom 12. auf den 13. November 2007 verübten wahrscheinlich zwei Männer (19 und 22 Jahre alt) einen Brandanschlag auf einen Wohncontainer für Flüchtlinge in Nordwalde (Kreis Steinfurt). Die Bewohner_innen konnten die beiden Brandsätze schnell löschen und somit nur durch Glück schlimmeres verhindern. Die lokale Presse zitiert die Bewohner_innen mit den Worten “Wir könnten alle tot sein”. Die beiden Tatverdächtigen wurden noch in der selben Nacht festgenommen.

Die unmenschliche Unterbringung von Flüchtlingen in zentralen Containern hätte beinahe zum wiederholten Male zu einer Katastrophe geführt. Eine derartige Unterbringung von Menschen, die oft in ihrer Heimat traumatische Erfahrungen machen mussten, ist menschenverachtend. Sie wird den Schicksalen der Menschen nicht gerecht, sondern dient ausschließlich dem Zweck eine Integration in die deutsche Mehrheitsgesellschaft zu behindern und durch die Form der Unterbringung eine “freiwillige” Ausreise zu erzwingen. Nicht Hilfe und Unterstützung sind die Handlungsprämisse, sondern Abschreckung und Abschiebung. Die betroffenen Flüchtlinge sind vor einem Bürgerkrieg geflohen und leben seit 18 Jahren in Deutschland. Es stellt sich die berechtigte Frage, weshalb auch die Gemeinde Nordwalde nicht in der Lage zu seien scheint, Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen und somit eine Integration in die Gesellschaft zu ermöglichen. Darüber hinaus hat eine Unterbringung in normalen Wohnungen den Vorteil, dass es durchgeknallten Rassisten und Nazis nicht so einfach möglich ist, “Objekte” ihres Hasses mit dem Ziel von Mord- und Totschlag anzugreifen. Die Gemeindeverwaltung schlug nach Bekanntwerden des Anschlages vor, die Familie in einen anderen Container umzusiedeln. Ein Vorschlag der aus Sicht der Menschen, die soeben einen Mordanschlag überlebten, ein weiterer Schlag ins Gesicht sein muss. Container-Unterbringung bietet keinen notwendigen Schutz, wie der erfolgte Anschlag beweist. Die logische Konsequenz kann daher nur lauten:

Sofortige Schließung aller Container-Unterbringungen!
Normale Wohnungen für alle Flüchtlinge!
Rassismus auf allen Ebenen bekämpfen!

Inhaltlich verwandte Beiträge:

  1. Stadt Nordwalde verspricht Opfern des Brandanschlags eine Wohnung In der Nacht vom 12. auf den 13. November 2007 kam es in Nordwalde zu einem versuchten Mordanschlag auf die Flüchtlingsfamilie Shala. Nur durch Zufall kamen bei dem rassistisch motivierten Brandanschlag auf den Wohncontainer, in dem die Familie derzeit am Rande von Nordwalde lebt, keine Familienangehörigen körperlich zu Schaden. Doch die Familie lebte und lebt seit [...]...
  2. Solidarität mit der Familie Shala ! Solidaritätserklärung: Rassistischer Brandanschlag in Nordwalde – Ende der Containerunterbringung jetzt ! In der Nacht von Montag, dem 12. zu Dienstag, dem 13. November kam es in Nordwalde, mitten im Münsterland, zu einem versuchten Mordanschlag auf die Familie Shala. Die Familie stammt aus dem Kosovo und lebt schon seit 18 Jahren in Deutschland. Sie wohnt in einer von [...]...
  3. Internationale Gärten Dresden e.V. lehnt Integrationspreis ab Nachdem letzte Woche der AKuBiZ e.V. den Demokratiepreis ablehnte, weil er dafür  eine “Antiextremismusklausel” unterschreiben sollte, lehnte am Freitag den 12.11. nun der Internationale Gärten Dresden e.V. den Integrationspreis Sachsens ab. Ihre Ablehnung begründen sie u.a. mit der fortdauernden unzumutbaren Unterbringung von Migrant_innen in Sachsen in Sammelunterkünften. Der Antrag Migrant_innen dezentral in Wohnungen wohnen zu [...]...
  4. Gedenkveranstaltungen zur Reichspogromnacht In Rheine und Münster finden am Sonntag, den 9. November Gedenk- und Mahnveranstaltungen anlässlich des 70. Jahrestages der Reichspogromnacht statt. Die Veranstaltungen werden von lokalen Bündnissen organisiert und beinhalten beide einen Stadtrundgang, der sich auf die historische Spuren jüdischen Lebens begibt. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 fanden in ganz Deutschland von [...]...
  5. Trauriges Jubiläum – 20 Jahre Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Münster Greift ein! In der Nacht vom 24. auf den 25. September sprangen zwei junge Männer aus der Asylbewerber*innen-Unterkunft am Yorkring 12 Meter in die Tiefe. Sie hatten zuvor Matratzen aus dem Fenster geworfen, diese aber beim Sprung anscheinend verfehlt – einer erlitt lebensgefährliche Kopfverletzungen. Grund für diese panische Aktion war ein ausgebrochenes Feuer. Entbrannt durch das [...]...

Wenn du Ergänzungen zu diesem Beitrag hast, dann nutze unser Kontaktformular oder schicke uns eine eMail an contact@antifa-netzwerk.de.

Tagged with , , , .

Ergänzungen

Bleibe über Ergänzungen zu diesem Bericht aktuell informiert und beziehe den RSS-Feed.

  1. Westfaelische-Nachrichten

    WN-Bilderstrecke

    „Wir könnten alle tot sein“

    Nordwalde. Die Spuren sind kaum sichtbar. Vereinzelte Glasscherben und etwas angesenktes Laub liegen auf dem nassen Asphalt, der an zwei Stellen von Schlieren überzogen ist. Doch was in der Nacht zuvor passiert ist, hätte Familie Shala töten können. Zwei Molotowcocktails flogen gegen ihren Wohncontainer, der direkt gegenüber dem Real-Markt steht. Beamte der Spurensicherung untersuchen den Tatort, im Wohnzimmer befragen ihre Kollegen die Mitglieder der Familie Shala, die aus dem Kosovo stammt und schon seit 18 Jahren in Nordwalde lebt.

    Auf der Anrichte in der Küche stehen ein paar Kaffeetassen. An ein normales Frühstück ist für Gani und Nexhmije Shala sowie für Sohn Ibrahim (16) und die anderen Kinder nicht zu denken. Nicht nur der Schreck sitzt ihnen noch in den Gliedern, so langsam stellt sich auch ein Gefühl der Angst ein. „Wir leben schon so lange hier und wir haben keine Feinde“, betont Gani Shala. Trotzdem wurde die Familie jetzt Opfer eines Anschlages. Dass die Polizei noch in der Nacht zwei junge Männer im Alter von 19 und 22 Jahren festgenommen hat, die schon anderweitig strafrechtlich in Erscheinung getreten sind, kann die Familie nicht sonderlich beruhigen. Kein Wunder: Denn wäre eine der Flaschen nur zwei Meter weiter nach links geflogen, hätte die brennende Flüssigkeit vermutlich in Sekundenschnelle die Küche in Flammen aufgehen lassen. Und was dann noch alles hätte passieren können, mag sich Gani Shala kaum vorstellen. „Wir könnten alle tot sein.“

    Click here to find out more!

    Der 46-Jährige und sein Sohn glauben, dass die Täter nicht zufällig gegen kurz vor Mitternacht vorbeikamen, sondern schon länger gewartet hatten, bis alle im Bett lagen. Denn nicht einmal eine Minute, nachdem Gani Shala das Licht ausgemacht und sich schlafen gelegt hatte, hörte er die dumpfen Schläge. Gemeinsam mit seiner Frau und Sohn Ibrahim konnte er die Flammen schnell löschen. Während die drei in der Nacht kein Auge mehr zugemacht haben, ließen sie die jüngeren Kinder schlafen.

    Nexhmije Shala und Sohn Ibrahim zeigen, wo einer der beiden Molotowcocktails gegen die Wand geflogen ist – nur knapp neben dem Küchenfenster.
    Nexhmije Shala und Sohn Ibrahim zeigen, wo einer der beiden Molotowcocktails gegen die Wand geflogen ist – nur knapp neben dem Küchenfenster.

    Die Polizei ermittelt nach Aussage des Bezirksbeamten Bernd Böwer „in alle Richtungen“. Vor allem will sie herausfinden, ob Fremdenhass das Tatmotiv ist. Auf Anfrage der WN sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer: „Anhaltspunkte für eine Mitgliedschaft der Tatverdächtigen in der rechtsradikalen Szene haben wir nicht. Aber Ausländerfeindlichkeit können wir nicht ausschließen.“ Zudem sei bei den Festgenommenen Alkohol im Spiel gewesen.

    Bürgermeister Dietmar Brockmeyer war gestern tagsüber unterwegs. Für ihn bezog Reinhard Intfeld im Gespräch mit unserer Zeitung Stellung: „Wir wissen noch nicht im Detail, was passiert ist. Aber Angriffe auf Menschenleben und fremdes Eigentum verurteilen wir aufs Schärfste. Wir können nur hoffen, dass die Täter ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden.“ Von einer fremdenfeindlichen Szene in Nordwalde ist Intfeld ebenso wenig bekannt wie Wolfgang Krapf, bei der Gemeinde zuständig für Ordnung und Soziales. „Eine solche Szene gibt es nicht. Und solche Vorfälle hatten wir bei uns noch nie“, betonte Krapf gegenüber den WN.

    Der Familie Shala hat er angeboten, in eine Asylbewerberunterkunft im Scheddebrock zu ziehen. Doch die will im Dorf bleiben. Am liebsten raus aus der Unterkunft in eine feste Wohnung.

    VON VON M. SCHWAKENBERG

  2. Westfaelische-Nachrichten

    Anschlag auf Asylbewerberheim

    Nordwalde/Münster – Auf eine Unterkunft für Asylbewerber in Nordwalde ist in der Nacht zu Dienstag ein Brandanschlag verübt worden. Verletzt wurde niemand. Die Polizei hat wenig später zwei tatverdächtige Männer im Alter von 19 und 22 Jahren festgenommen. Der polizeiliche Staatsschutz ermittelt jetzt, ob ein fremdenfeindlicher Hintergrund für die Tat vorliegt, so ein Polizeisprecher gegenüber WN-Online.

    Gani Shala hatte noch gegen Mitternacht ferngesehen, sich im Badezimmer die Zähne geputzt und dann ins Bett gelegt. „Plötzlich machte es bumm bumm“, berichtet der 46-Jährige. „Dann bin ich in die Küche gegangen und habe die Flammen schon hochschlagen gesehen.“

    Am Morgen danach ist Gani Shala, seiner Frau Nexhmije (44) und Sohn Ibrahim (16) anzusehen, dass sie eine schlaflose Nacht hinter sich haben. Die anderen fünf Geschwister haben von all dem nicht mitbekommen. Dabei hätte das, was passiert ist, tödlich enden können: Zwei Molotow-Cocktails wurden gegen ihre Unterkunft geschleudert, die direkt neben dem Real-Markt liegt. Doch die Flaschen prallten offenbar ab, so dass es nur an zwei Stellen auf dem Gehweg vor dem Wohncontainer anfing zu brennen. Gali Shala, seine Frau und Ibrahim konnten die Flammen schnell löschen, der Regen tat sein Übriges.

    Die sofort alarmierte Polizei konnte noch in der Nacht die beiden 19 und 22 Jahre alten Männer festnehmen. Beide sind der Polizei wegen diverser Straftaten bereits hinlänglich bekannt, so der Polizeisprecher. Deren Wohnungen wurden durchsucht. „Die Männer werden zurzeit vom polizeilichen Staatsschutz vernommen, da ein fremdenfeindlicher Übergriff nicht ausgeschlossen werden kann“, so Polizeisprecher Klaus Laackmann. „Wir ermitteln aber in alle Richtungen“. Weitere Einzelheiten sollen im Laufe des Tages bekannt geben.

    Die Gemeinde hat der Familie bereits angeboten, in ein Qaurtier etwas außerhalb des Dorfes umzuziehen. Aber das wollen die Shalas nicht. Stattdessen werden sie in den kommenden Nächten abwechselnd Wache schieben. Nach 18 Jahren haben sie das erste Mal Angst, trotz der beiden Festnahmen. Gani Shala: „Wer weiß, ob das nicht wieder passiert. Wenn die Flaschen durchs Fenster geflogen wären, wären wir jetzt vielleicht alle tot.“

  3. Westfaelische -Nachrichten

    Fremdenhass nicht ausgeschlossen

    Nordwalde. Bei dem Brandanschlag auf die Asylbewerber-Unterkunft am Real-Markt geht die Staatsanwaltschaft Münster von einer Einzeltat aus. Das erklärte Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer gestern gegenüber unserer Zeitung. Bei dem 19-Jährigen, der als Tatverdächtiger vorläufig festgenommen worden war, könne man inzwischen ausschließen, dass er mit der Tat etwas zu tun hat. Als einziger Tatverdächtiger bleibe der 22-Jährige übrig, der sich aber selbst nicht mehr erklären könne, warum er die Tat begangen habe. Noch in der Nacht auf Dienstag hatte die Polizei die beiden jungen Männer festgenommen.

    Nach Schweers Auskunft kam bei dem 22-Jährigen eine Mischung aus allgemeinem Frust und Alkohol zusammen. Dass er seinen Arbeitsplatz verloren habe, habe er bei seiner Vernehmung unter anderem auf Ausländer geschoben. Zudem habe der Mann widersprüchliche Angaben gemacht, „so dass das Tatmotiv für uns im Diffusen liegt“. Eine ausländerfeindliche Gesinnung wollte Schweer nicht ausschließen. „Ich kann den Leuten ja nicht in den Kopf gucken. Aber es gibt ja auch kein Gesinnungsstrafrecht.“ Nach den Vernehmungen geht Schweer davon aus, dass die Tat eine spontane Handlung war. „Wie gehen auch nicht davon aus, dass eine Tötungsabsicht vorlag.“

    Anhaltspunkte dafür, dass der Mann Verbindungen zur rechtsradikalen Szene hat, hat Schweer auch nicht. „Bei den Untersuchungen haben wir kein Flugblatt oder irgendetwas gefunden, was darauf hinweisen könnte.“ Zudem lägen der Staatsanwaltschaft auch keine Hinweise vor, dass es im Münsterland derzeit eine „signifikante rechtsradikale Szene gibt“.

    Gestern wurde der 22-Jährige dem Haftrichter vorgeführt, der zwar Haftbefehl erließ, diesen aber unter Auflagen außer Kraft setzte. Was den Mann jetzt erwartet: Eine Anklage wegen schwerer Brandstiftung und Verstoßes gegen das Waffengesetz. Denn ein Molotowcocktail gilt als Waffe. Allein schon auf diesen Verstoß steht eine Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten, wie Schweer erläuterte.

    VON MICHAEL SCHWAKENBERG, STEINFURT

You must be logged in to post a comment.