Am 1. Dezember machten AntifaschistInnen mit einem bundesweiten Aktionstag auf im Ausland verurteilte NS-Kriegsverbrecher aufmerksam, die ungestört in der Bundesrepublik leben. An zentral gelegener Stelle fand in Greven eine Kundgebung statt, die mit Hilfe von Transparenten (“Die Mörder sind unter uns – NS-Täter bestrafen!”), Flugblättern und Lautsprecher einen “Erregungskorridor” schuf, durch den die Fußgängerzone betreten und verlassen werden musste.
Eine Rednerin portraitierte den Grevener Kriegsverbrecher Heinrich Nordhorn und schilderte die Verbrechen, für die er in Italien verurteilt worden war. Die Reaktionen der GrevenerInnen waren zu etwa 70 % positiv: “Gut, dass das endlich mal offen ausgesprochen wird” und: “Gut, dass ihr hier seid” waren häufig zu hören. Passanten blieben stehen und nahmen sich Zeit, der Rednerin zuzuhören. Seltener hieß es: “Nee danke, das war vor mir” und nur ein Mann vergaß, dass Westfalen im Allgemeinen eher wortkarg sind und schimpfte: “Ihr seid doch irre!” Es zeigte sich, dass es in Greven allgemein bekannt ist, dass Nordhorn ein verurteilter Kriegsverbrecher ist. Manche fragten, warum das Gerichtsverfahren erst jetzt stattgefunden habe.
Nach der Kundgebung fand ein spontaner Besuch bei Nordhorn zu Hause statt. Die Nachbarschaft wurde per Flugblatt informiert und Nordhorn musste sich Partisanenlieder anhören. Eine Nachbarin wunderte sich, dass die Scheiben des
Hauses, in dem der als rabiat geltende 88-Jährige alleine wohnt, nicht schon mal eingeworfen worden seien. Abschließend wurden Flugblätter an die MieterInnen seiner Häuser in der Grevener Sachsen- und Frankenstraße verteilt. Insgesamt war der zweistündige Besuch in Greven ein voller Erfolg.
Das in Greven verteilte Flugblatt findet sich auf www.keine-ruhe.org.
Lest auch das Porträt über Heinrich Nordhorn.
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