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Kronzeuge der Neonazis und Geschichtsverfälscher
Burschenschaft Franconia lädt den Generalmajor a.D. Gerd Schultze-Rhonhof ein
Dieses Jahr lädt die Burschenschaft Franconia zu Münster den ehemaligen Bundeswehr-Generalmajor Schultze-Rhonhof zu ihrem alljährlichen „Reichsgründungskommers“ ein. Am 19. Januar soll der Ex-Militär und Geschichtsrevisionist Schultze-Rhonhof auf dem Frankenhaus an der Himmelfahrtsallee sprechen. Der Generalmajor a.D. ist seit seinem Buch „1939 – der Krieg, der viele Väter hatte“ zu einem Kronzeugen der Neonazis geworden, behauptet er doch, die Hauptschuldigen am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges seien Großbritannien und Frankreich. Hitler und Göring hätten noch versucht, den Krieg durch Verhandlungen mit Polen abzuwenden. Der Angriff auf die Sowjetunion sei nur ein Präventivschlag gewesen.
Wer ist Gerd Schultze-Rhonhof?
Der 68-jährige Schultze-Rhonhof verließ 1995 die Bundeswehr, nachdem er in einer Rede das Bundesverfassungsgericht mit dem Volksgerichtshof der Nazis verglichen hatte. Das BverfG hatte zuvor die Parole „Soldaten sind Mörder“ unter bestimmten Bedingungen für straffrei erklärt. Außerdem kritisierte er die von der Bundesregierung beschlossene Verkürzung des Wehrdienst auf zehn Monate. Zuletzt diente Schultze-Rhonhof als „Territorialer Befehlshaber Niedersachsen und Bremen“ im Rang eines Generalmajors. Nach seiner Frühpensionierung legte er sein erstes Buch
„Wozu noch tapfer sein?“ vor, in dem er den Zustand der Bundeswehr beklagte. Er schrieb für bzw. gab Interviews für extrem rechte Zeitschriften wie Junge Freiheit, Das Ostpreußenblatt, Criticon und die Deutsche Militärzeitung. Auch der Deutschen Nationalzeitung , dem Massenblatt aus dem Verlagsimperium des DVU-Vorsitzenden Gerhardt Frey, gewährte er 2005 ein Interview, worin er seine These vom Prävenitivkrieg gegen die Sowjetunion und die Friedensabsichten Hitlers
ausbreitet. Damit verortet sich Schultze-Rhonhof deutlich am äußersten rechten Rand des Parteienspektrums und in der Gesellschaft von NS-Nostaligern und Neonazis.
“Der Krieg, der viele Väter hatte“?
2003 veröffentlichte Schultze-Rhonhof sein Buch „Der Krieg, der viele Väter hatte“ im Münchener Olzog-Verlag, das mittlerweile in der dritten Auflage erscheint. Er befasst sich darin mit der Vorkriegsgeschichte“ und versucht Deutschlands Nachbarstaaten Kriegspläne gegen Deutschland nachzuweisen. Von der Geschichtsforschung sind seine Thesen nicht anerkannt. Auch das konservative Feuilleton der FAZ zerreißt das Werk. Neben Voreingenommenheit und revisionistischen Motiven wird Schultze-Rhonhof auch nicht-wissenschaftliches Arbeiten vorgeworfen. Die Arbeiten anerkannter Historiker ignoriert er nämlich. An ihrer Stelle bezieht er sich auf bekannte Geschichtsrevisionisten oder führt als Literatur den dtv-Atlas zur Weltgeschichte und ein Schulbuch für Geschichte auf. Die extreme Rechte nimmt seine Thesen allerdings begeistert zur Kenntnis. In der NPD-Zeitung Deutsche Stimme erscheint eine lobende Rezension. Der NPDeigene Deutsche Stimme Verlag bewirbt das Buch mit folgenden Worten: „Das Buch liefert eine Neudarstellung der Kriegsschuldfrage auf hohem Niveau. Der frühere Generalmajor der Bundeswehr kann auf deutscher Seite keine konkrete Kriegsplanung erkennen, dafür aber langjährige Kriegsziele des Gegners, die 1939 die Lage zum Eskalieren brachten.“ Mittlerweile liegt auch eine Hörbuchfassung von der Firma Polarfilm vor, die auch Filme von anderen Geschichtsrevisionisten vertreibt.
Kreuz und quer durch die extreme Rechte: Schultze-Rhonhof als Referent
Nach seinen Bucherfolg konnte Schultze-Rhonhof seine Referententätigkeit ausweiten. Er ist gern gesehener Gast bei extrem rechten Verlagen, Gesprächskreisen, der Deutschen Partei, Burschenschaften und Vertriebenenverbänden. Sie wissen die entschuldenden Ausführungen zum NS-Regime zu schätzen, zumal sie aus dem Mund eines hochrangigen Militärs kommen. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der AntifaschistInnen Stade zählt 2004 bis 2006 neunzehn Auftritte vor rechtskonservativen bis extrem rechten Organisationen. Mehrmals muss Schultze-Rhonhof nach öffentlichem Druck wieder ausgeladen werden. Räumlichkeiten werden den Veranstaltern gekündigt. Einige Schlaglichter:
2004 tritt er als Festredner der 50-Jahr-Feier der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger in Hameln auf. Auch hier beklagt er die „Mitverantwortung der Sieger an der Entstehung des Krieges und ihrer Gräueltaten im Kriege“ und ehrt die versammelten Ritterkreuzträger. Das Ritterkreuz gilt als die höchste Auszeichnung des NS-Regimes und wurde von Hitler persönlich für „besondere Tapferkeit vor dem Feind und für hervorragende Truppenführung verliehen“. Das Bundesverteidigungsministerium verhängte ein Kontaktverbot zwischen der Ordensgemeinschaft und der Bundeswehr. Die Anziehungskraft dieser Organisation auf Neonazis, Burschenschaftler und ehemalige Bundeswehr-Mitglieder ist dennoch groß.
● Im Februar 2005 referiert Schultze-Rhonhof vor dem Außen- und Sicherheitspolitischen Arbeitskreis der CSU in Landshut. Die Veranstaltung wird in der Lokalpresse stark kritisiert.
● 2006 tritt Schultze-Rhonhof gleich viermal bei „Zeitgesprächen“ des Verleges Gert Sudholt auf. Sudholt führt unter anderem den Druffel & Vowinckel-Verlag und gibt die revisionistische Zeitschrift Deutsche Geschichte heraus. Er ist selbst schon wegen Volksverhetzung verurteilt worden.
● Im Mai 2006 tritt Schultze-Rhonhof bei der München Burschenschaft Danubia auf. Sie gilt als fest in der extremen Rechten verankert und wird vom bayrischen Verfassungsschutz beobachtet.
● Auch der Bund der Vertriebenen/Kreisverband Soest (BdV) läd Schultze-Rhonhof als Festredner zum Tag der Heimat 2006 ein. Öffentlicher Druck zwingt den BdV dazu, ihn wieder auszuladen.
● Im Oktober 2006 soll Schultze-Rhonhof beim Regionalverband Nord des Bund Junges Ostpreußen in Hamburg-Eimsbüttel reden. Das Bezirksamt untersagt nach öffentlichen Protesten die Nutzung der städtischen Räumlichkeit.
Burschenschaft Franconia zu Münster
Nach Münster wurde Schultze-Rhonhof durch die Burschenschaft Franconia eingeladen. Sie ist Mitglied im Dachverband Deutsche Burschenschaft und dem verbands-internen Zusammenschluss Burschenschaftliche Gemeinschaft. Diese gilt als extrem rechter Flügel, der ohnehin zum rechten Rand der Verbindungslandschaft gehörenden Deutschen Burschenschaft. Immer wieder ist die Franconia durch Verbindungen zur extremen Rechten aufgefallen: 1998 verteilte sie Flugblätter
gegen die in Münster gastierende Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht. 2003 verteilten Burschen Flugblätter, in denen sie sich mit dem CDU-Politiker Hohmann solidarisierten. Hohmann war aufgrund einer antisemitisch aufgeladenen Rede zum Tag der Deutschen Einheit in die Kritik geraten. Auch Schultze-Rhonhof stellte sich schützend vor den mittlerweile aus der CDU ausgeschlossenen Abgeordneten. Einige Monate wohnte das NPD-NRW-Vorstandsmitglied und der Sprecher der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten Oliver Westerwinter auf dem Frankenhaus. Erst nach massiven öffentlichen Protest trennte man sich 2004 von ihm. 2006 organisierte die Franconia ausgerechnet am 9. November – dem Jahrestag der Reichspogromnacht – eine Vortragsveranstaltung zu den „verlorenen deutschen Ostgebieten“. Diese Aktivitäten haben die Franconia noch immer nicht sonderlich isoliert. Am Volkstrauertag nehmen sie jedes Jahr an der Gedenkveranstaltung der Stadt Münster im vollen Wix teil – Seit`an Seit` mit der Bundeswehr, dem Bund der Vertriebenen und anderen Verbindungsstudenten.
Fazit
Mit Schultze-Rhonhof hat sich die Burschenschaft Franconia einen Kronzeugen der Neonazis eingeladen und macht damit einmal mehr deutlich, wo sie politisch einzuordnen ist: Rechts außen. Von den Verbrechen des Nationalsozialismus wollte die Franconia schon immer wenig hören. Sie stören den positiven Bezug auf die deutsche Nation, den ihr Wahlspruch „Ehre, Freiheit, Vaterland“ ausdrücken soll. Auch wenn die Thesen von Schultze-Rhonhof wissenschaftlich unhaltbar sind,
findet er bei den Burschenschaftlern aufmerksame Zuhörer. Als AntifaschistInnen werden wir nicht zusehen, wie Geschichtsverfälschung und Nationalismus salonfähig gemacht werden.
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