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Gedenkveranstaltung an die Shoa in Osnabrück

veröffentlich am Donnerstag, 31. Januar 2008

Am 27. Januar 2008 versammelten sich, anlässlich des internationalen Holocaust Gedenktages, mehrere Menschen in Osnabrück um den Opfern der Shoah zu gedenken. Anlässlich des 63. Jahrestages der Befreiung des Konzertrationslagers Auschwitz entrollten sie ein Transparent mit der Aufschrift: ” 27. Januar 1945 – Nach 5 Jahren wird Auschwitz endlich befreit”

Die Shoa war Endpunkt und Konsequenz des europäischen Denken über Juden, die fabrikmäßige Massenvernichtung von 6 Millionen Jüdinnen und Juden ist eine beispiellose Verknüpfung von irrationalem Denken und rationaler Umsetzung. Nach dem Ende des Nationalsozialismus verändert sich der Antisemitismus. Der offene Antisemitismus wird in seiner konkreten Form offiziell weitgehend geächtet, unterstützt durch die “Stunde Null” Ideologie in der BRD, die für den 8. Mai 1945 einen vollständigen Bruch mit dem Nationalsozialismus und seinen Ursachen und Folgen konstruiert. Doch auch die ungeheure Verdrängungsleistung der deutschen Nachkriegsgesellschaft schaffte es nicht, das antisemitische Vorurteil zu überwinden.

Gedenkkundgebung in OS 27. Januar 2008 - Heger Tor

Zum Einen zeigen dies die immer wiederkehrenden Meldungen über geschändete jüdische Friedhöfe oder Mahnmale und andere offen antisemitische Taten, die in der Regel von der Minderheit der extremen Rechten ausgehen und sich (theoretisch) nicht wesentlich vom Antisemitismus des Dritten Reichs unterscheiden. Zum Anderen in den Hetztiraden von Walser, Hohmann, Möllemann und Co, hier findet man antisemitische Vorurteile aus der Mitte der Gesellschaft.

Dieser sekundäre Antisemitismus ist nicht auf Deutschland beschränkt, aber hier trifft er auf den historischen Hintergrund vor dem er sich bestens entfalten kann. Das Phänomen erfolgt aus dem Bedürfnis die Verbrechen des Nationalsozialismus zu vergessen, die Verantwortung für sie abzuwehren und sich der mit dem Verbrechen verbundenen Gefühle wie Schuld und Scham zu entledigen. Dieses Bedürfniss äußert sich in der Strategien der Schuldabwehr, sprich Leugnung, Relativierung und Schlussstrichforderungen. Die TäterInnen machen den Opfern das Geschehene zum Vorwurf. Am besten fasst es die Aussage des Psychoanalytikers Zvi Rex zuammen: “Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen.” Die Vorstellung von den Juden die nicht verzeihen können und damit die Schuld an den eingeschränkten Entfaltungs- und Artikulationsmöglichkeiten und der Ächtung Deutschlands tragen und daher das “deutsche Volk” zu permanenter Reue zwingen erfährt besonders seit 1989 einen starken Zuwachs. Das wiedervereinte Deutschland will sich endgültig von dem historischen Makel lossagen. Sekundärer Antisemitismus beginnt mit der Relativierung der deutschen Verbrechen und endet mit offen formulierter Holocaustleugnung, wobei natürlich ausgeblendet wird, dass die Shoa erst durch die massenhafte Unterstützung der meisten Deutschen möglich wurde. So wie man sich vor Auschwitz als Opfer der “internationalen jüdischen Verschwörung” sah, phantasiert man sich heute als ein Opfer des “unbarmherzigen Weltgerichts” und der jüdischen Rachsucht die – in Anspielung auf die Wiedergutmachungszahlungen – sogar noch mit Auschwitz Geschäfte mache.

Wie tief antisemitische Vorurteile in der Gesellschaft verankert sind, zeigen auch die unzähligen Meldungen über Schulen, in denen das Wort Jude als Schimpfwort missbraucht wird, oder sogar wie im Sachsen-Anhaltinischen Stendal vorgefallen, ein Schüler gezwungen wird ein Schild mit der Aufschrift “Ich bin im Ort das größte Schwein, ich lasse mich mit Juden ein.” zu tragen. Antisemitische Ansichten wie sie sich in Hohmanns Rede zum Tag der deutschen Einheit zeigen, in der er die Juden als Tätervolk stigmatisierte sind kein Einzelfall und keine Ausnahme, sondern integraler Bestandteil des Selbstverständisses deutscher Aussenpolitik. Denn vor allem die Haltung zum Staate Israel und zum Nahostkonflikt dient immer wieder als Projektionsfläche aber auch als Ort der Entlarvung antisemitischer Vorurteile, sei es von antiimperialistischer Seite, oder aus der Mitte der bürgerlichen Gesellschaft. Denn die Existenz Israels steht in engster Beziehung zur deutschen Vergangenheit. Wie stark diese Vorurteile vertreten sind, zeigte 2004 W. Heitmeyer in seiner Studie zur “Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit” So stimmten knapp 70% der Aussage zu, dass Israel einen Vernichtungskrieg führe, ca. 60% haben eine Abwehrhaltung gegenüber der Beschäftigung mit den Verbrechen der Deutschen an den Juden. Die Kriterien, was als antisemitisch gilt, wurden in der Studie scharf begrenzt: “Demnach gilt solche Kritik an Israel als antisemitisch, die Israel das Existenzrecht und das Recht auf Selbstverteidigung aberkennt, historische Vergleiche der israelischen Palästinenserpolitik mit der Judenverfolgung im Dritten Reich zieht, Israels Politik mit einem doppelten Standard beurteilt, antisemitische Stereotype auf den Staat Israel überträgt, oder diese Kritik auf Juden generell überträgt, und Juden pauschal für die Geschehnisse in Nah-Ost verantwortlich macht.”

Besonders perfide ist der Vergleich Israelischer Politik mit der des Dritten Reiches und die Frage, ob die Juden denn nichts aus ihrer eigenen Vergangenheit gelernt hätten. Die Shoa als Besserungsanstalt für Juden. Gleichzeitig dient die deutsche Vergangenheit als Legitimierung für die Vermittlerrolle der BRD im Nahen Osten. Dies kann nur bedenklich stimmen, gibt es doch den sekundären Antisemitismus nicht trotz sondern wegen Auschwitz.

Deutschland denken, heißt Auschwitz denken!

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