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Gegen rechts argumentieren lernen

veröffentlich am Donnerstag, 31. Januar 2008

Ob in der Uni, am Arbeitsplatz, an der Schule oder im Freizeitbereich, z. B. in Vereinen: Rechte Standpunkte werden in weiten Kreisen der Bevölkerung zunehmend salonfähig. Dabei stellt man fest, dass es nicht nur die bildungsfernen, glatzköpfigen, arbeitslosen ostdeutschen Jugendlichen ohne Perspektive sind, die rechtem Gedankengut anhängen. Mittlerweile ist es für anständige Deutsche keine Selbstverständlichkeit mehr, gegenüber rechtsextremen Parteien und Gruppierungen Berührungsängste zu haben, von einer Distanz zu rechtem Gedankengut ganz zu schweigen. Die Wahlerfolge für rechtsextreme Parteien belegen das sehr eindrucksvoll.
Die Politik entdeckt mit großer Sorge ein Wiedererstarken des Rechtsextremismus, und fordert als Konsequenz eine politische Auseinandersetzung mit diesem Gedankengut. Wie sieht dieser Versuch jetzt aus? Da wird ventiliert, ob es eher ein Verbot der Rechten bringt, ob man das Versammlungsrecht verschärft oder ob der Volksverhetzungsparagraph neu gefasst gehört.

In dieser Art der politischen Auseinandersetzung wird der Rechtsextremismus nicht als ein verkehrter und schädlicher politischer Standpunkt angegriffen, sondern als ein Verstoß gegen Sitte und Recht begriffen, der durch rechtsstaatliche Repression zu verfolgen ist. Wer aber rechtes Gedankengut als Rechtsverletzung behandelt, der setzt sich nicht mit den politischen Überlegungen der Rechten auseinander und ist weit davon entfernt, ihnen kritisch-argumentativ zu begegnen.

ISBN: 9783899651461
Preis: 12,80 €

Wer dem Rechtsradikalismus wirkungsvoll entgegentreten will, kommt aber um zwei Aufgaben nicht herum:
Erstens müssen rechte Parolen und Taten als das genommen werden, was sie sind, nämlich Äußerungen einer politischen Gesinnung, die man nicht einfach durch Verbote aus der Welt schaffen kann. Es gilt, in politischer Überzeugungsarbeit jüngeren wie älteren Anhängern rechtsradikaler Gedanken Argumente gegen Rassismus und Nationalismus nahe zu bringen, ihnen also zu erklären, wie dumm und schädlich der Rechtsextremismus in Theorie und Praxis ist.

Das Buch “Gegen Rechts argumentieren lernen” will diese Auseinandersetzung befördern, will einige brauchbare und stichhaltige Argumente gegen die Inhalte von nationalistischem, rassistischem und ausländerfeindlichem Gedankengut liefern.

Zweitens muss man in der politischen Auseinandersetzung mit dem Rechtsradikalismus aufpassen, dass man sich nicht selbst aufs politische Glatteis begibt: Denn wer sich in der Auseinandersetzung mit den Rechten als der bessere Deutsche präsentiert, hat selbst schon eine nationalistische Position bezogen.
Wenn die immer wieder zu hörende Feststellung zutrifft, dass sich nationalistische und rassistische Einstellungen auch in der so genannten Mitte der Gesellschaft tummeln, dann müssen sich Argumentationshilfen dagegen auch mit diesen Formen des alltäglichen Nationalismus befassen: Nicht nur die offensichtlichen Formen von Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus müssen Gegenstand der kritischen Auseinandersetzung werden, sondern auch die in Teilen der demokratischen Politik, Öffentlichkeit und Gesellschaft akzeptierten Spielarten des Nationalismus gehören auf die Tagesordnung. Hier setzt sich das Buch wohltuend von vielen anderen Veröffentlichungen gegen Rechts ab, die Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit lediglich in ihrer extremen Zuspitzung und Radikalisierung geißeln.

Dieses Buch geht gerade auf die Parallelen zwischen dem rechtsradikalen Nationalismus und Rassismus einerseits und deren Entsprechungen im bundesdeutschen Alltagsbewusstsein andererseits ein. So werden Ideologien offen gelegt und argumentativ bekämpft, die in rechtsextremen Kreisen gang und gäbe sind, aber über diese Kreise hinaus zum Bestand des Alltagsbewusstseins breiter Bevölkerungskreise gehören.

In fünf Kapiteln kommen unter anderem folgende Themenschwerpunkte zur Sprache:

  • Stolz auf nationale Identität und die Liebe zum Vaterland,
  • rassistische Einstellungen gegenüber allem Andersartigen,
  • der Hass auf Angehörige anderer Nationen, Ethnien und Kulturen.

Alles Gedanken, die zum Kernbestand rechtsradikalen Denkens gehören, die aber in anderer Ausprägung auch in weiten Teilen der Gesellschaft und der demokratischen Öffentlichkeit präsent sind. Das Buch “Gegen Rechts argumentieren lernen” eignet sich sehr gut für LeserInnen, die an einer kritischen Auseinandersetzung mit Nationalismus und Rassismus in all seinen Spielarten interessiert sind. Außerdem ist es eine hervorragende Material- und Argumentsammlung für die Fortbildung von PädagogInnen und für alle, die in der politischen Bildung tätig sind.

Rezension aus TERZ 02.07

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