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Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind

veröffentlich am Mittwoch, 20. Februar 2008

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Das vorliegende Buch von Sigrid Chamberlain widmet sich der Analyse zweier NS-Erziehungsbücher. Auf dem Klappentext des Buches heißt es: “Adolf Hitler forderte bereits in ‘Mein Kampf’, daß schon in der ‘frühesten Kindheit … die notwendige Stählung für das spätere Leben’ zu erfolgen habe. Durch gründliche Ausbildung der Mütter müsse es möglich sein, ‘in den ersten Jahren des Kindes eine Behandlung herbeizuführen, die zur vorzüglichen Grundlage für die spätere Entwicklung dient’. Mit dieser ’späteren Entwicklung’ ist vor allem das nahtlose Sich-Einfügen in die Ideologie und die Institutionen des NS-Staates gemeint. Darum geht es ausdrücklich auch der Ärztin Johanna Haarer, deren Bücher ‘Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind’ und ‘Unsere kleinen Kinder’ in vielen Familien während des Dritten Reiches Reiches und in den Jahren danach zur Richtschnur für den Umgang mit Babys und Kleinkindern wurden.
Es ist an der Zeit sich auch mit diesem Erbe des Nationalsozialismus auseinanderzzusetzen, mit der Tatsache nämlich, dass der Großteil der im Dritten Reich und in den Nachkriegsjahren Geborenen ins Leben entlassen wurde mit den frühen nationalsozialistischen Prägungen, ohne sich jemals dieser Tatsache und ihrer möglichen Folgen bewußt geworden zu sein.”

Die Bücher der Ärztin Haarer fanden sich zum Teil bis in die 1970er Jahre in vielen Haushalten als Erziehungsratgeber und beeinflussen deutlich über die Zeit des NS hinaus die Erziehung von Babys und Kleinkindern. So lauten die Überschriften der einzelnen Kapitel des Buches von Chamberlain, die alles sinngemäße oder Orginalzitate von Adolf Hitler sind, auch treffend: “Alles, was wir tun, tun wir letzten Endes für das Kind”, “Jedes Kind ist eine Schlacht”, “In der Freiheit fühlen sich die Menschen leicht verlassen”, “Zum Sterben sind die jungen Leute doch da”.

Die in dieser Analyse der Haarer Bücher vorgelegten Strategien der NS-Erziehung beruhen im wesentlichen auf Entfremdung, der Brechnung emotionaler Bindungen und der Stählung hin zu guten Soldaten. So wird auf die Ratgeber im Umgang mit Säuglingen, die im wesentlichen von der Mutter getrennt werden sollen und lediglich zum Stillen Kontakt zur Mutter haben soll, eingegangen und behandeln die Themen: Unterwerfung des Kindes, das soldatische Kind, Zerstörung des Dialogs, Disziplinierung contra Autonomie, Abwertung kritischen Denkens, Sich-Wehren oder Untergehen, Inneres Totsein und Todesbereitschaft. Darüber hinaus wird auch der Versuch unternommen einige Spätfolgen dieser brutalen Erziehungsmethoden zu analysieren.

Das Buch sollte für diejenigen von Interesse sein, die sich genauer mit Erziehung während des NS und auch in den Nachkriegsjahren auseinandersetzen wollen. Auch wenn dieses Buch ein wissenschaftliches Sachbuch des Verlages “edition psychsozial” ist, ist es auch für einen Personenkreis darüberhinaus durchaus zu empfehlen. Gerade weil es sich auch mit den späten Folgen dieser Erziehung beschäftigt, die zum Teil bis in die heutige Zeit reichen.

ISBN: 9783930096589

Preis: 24,90 €

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