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Neonazis in Nadelstreifen

veröffentlich am Donnerstag, 20. März 2008

Nach den Wahlerfolgen der NPD in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern erscheinen wieder vermehrt Bücher, die sich mit dem Wandel der NPD von einer bis Mitte der Neunziger Jahre fast unbedeutenden Organisation hin zur erfolgreichsten und “modernsten” Partei der extremen Rechten beschäftigen. Doch nicht alle dieser Veröffentlichungen sind empfehlenswert. Einigen Autoren aus dem etablierten Wissenschaftsbetrieb fehlt die nötige Szene-Kenntnis, um Entwicklungen sicher beurteilen zu können. Sie hinken der Zeit hinterher. Andere, wie der “Extremismusforscher” Uwe Backes sind als Vertreter von totalitarismustheoretischen Ansätzen (“Links gleich Rechts”) nicht in der Lage ideologische Übergänge vom rechten Rand zur Mitte der Gesellschaft zu berücksichtigen, weil sie eine gegen die “Extreme der Ränder” abgegrenzte “demokratische Mitte” behaupten.

Wer sich wirklich fachkompetent über die NPD informieren will, sollte zum neuen Buch von Andrea Röpke und Andreas Speit greifen. Die JournalistInnen sind ausgewiesene KennerInnen und jahrelange BeobachterInnen der extremen Rechten in Deutschland und veröffentlichten schon 2004 ein viel beachtetes Buch zu den Freien Kameradschaften.

In “Neonazis in Nadelstreifen” zeichnen sie in flüssig geschriebenen Reportagen und Beiträgen die Entwicklung der NPD in den letzten Jahren nach, benennen Akteure und Strategien. Ihr Schwerpunkt liegt dabei vor allem auf den Jahren seit 2005. Dadurch eignet sich das Buch auch sehr gut als “Fortsetzung” des kurz nach der sächsischen Landtagswahl 2004 erschienenen Werk “Moderne Nazis” von Toralf Staud. Die acht Buchbeiträge thematisieren sowohl das parlamentarische Wirken, die Bemühungen um eine “Intellektualisierung” und die Finanzquellen der Heimattreuen Deutschen Jugend Partei. Auch die Funktionen und Rollenbilder von rechten Frauen und die Kindererziehung derwerden behandelt. Die RechtsRock-Experten Jan Raabe und Christian Dornbusch geben einen Einblick in das, auch für die NPD lukrative, Geschäft mit der Neonazi-Musik. Robert Andreasch porträtiert die bayrische NPD, die sich zur Zeit auf den Landtagswahlkampf vorbereitet. Thomas Niehoff und Andrea Röpke schließen den Band mit einem Beitrag über die rechte Gewalt, die immer wieder auch von NPD-Mitgliedern verübt wird.

Neben dem Handbuch “88 Fragen und Antworten zur NPD” von Virchow und Dornbusch ist “Neonazis in Nadelstreifen” die Pflichtlektüre für alle, die sich mit Wirken und Wesen der NPD befassen wollen. Ein wirklicher Kauftipp!

Andrea Röpke/Andreas Speit (Hg.):
Neonazis im Nadelsteifen
Die NPD auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft
Christoph Links Verlag
Berlin 2008

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