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Aktionstag am 8. Mai in Münster

veröffentlich am Samstag, 17. Mai 2008

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Zur traditionellen Gedenkkundgebung am Zwinger, einem ehemaligen Gestapo-Gefängnis und -Folterkeller, kamen um 18.00 Uhr schon über 100 junge und alte AntifaschistInnen zusammen und verfolgten das gut einstündige Programm. Nach einer Begrüßung durch die VVN/BdA Münster skizzierte die Antifaschistische Linke Münster in ihrem Beitrag die Bedeutung des 8. Mai für die antifaschistische Bewegung. Der 8. Mai sei sowohl ein Tag der Freude, wie ein Tag des Gedenkens an die Millionen Opfer des Nationalsozialismus. Im Kampf gegen den Faschismus sollten größere oder kleinere Differenzen auch mal beiseite gelegt werden, denn ein breiter Widerstand sei nötig. Eine Forderung, die sich auch Celine van der Hoek de Vries in ihrem kurzen Grußwort anschloss.

Ein Antifaschist verlas nun ein Auszug aus Primo Levis Roman „Ist das ein Mensch“, in welchem der ehemalige Partisan seine Deportation aus einem italienischen Lager nach Auschwitz beschreibt. Nach einer Schweigeminute wurden noch Blumengestecke am Gedenkstein abgelegt. Mit dem gemeinsamen Singen des „Moorsoldaten-Lieds“ und der Verlesung eines kurzen Textes von Esther Bejarano endete die Veranstaltung an der Promenade.

Das Cafè der ESG Münster war bis auf den letzten Platz gefüllt. 80 ZuhörerInnen wollten die Lebensgeschichte von Celine van der Hoek de Vries hören. Nach einer kurzen Einführung von Uli Sander zum gesellschaftlichen Umgang mit dem „Tag der Befreiung“ nach 1945, redete Celine zwei Stunden lang über ihr Leben in der Illegalität, die Angst vor Entdeckung, ihre Verhaftungen, die Deportationen nach Westerbork und nach Auschwitz. Das Grauen, das sie im Lager sah und die Unmenschlichkeit der Vernichtungsmaschinerie und die Zwangsarbeit prägten ihr Leben auch nach ihrer Befreiung am 9. Mai aus einem tschechischen Lager. Die Vorsitzende des holländischen Bundes der AntifaschistInnen sparte auch nicht an Kritik an den politischen Verhältnisse in den Niederlanden und in Europa und mahnte, immer dann einzuschreiten, wenn Menschen diskriminiert und verfolgt würden.

Über 100 ZuhörerInnen besuchten im Anschluss noch das Konzert im Sputnikcafè am Hawerkamp. Dort heizten ihnen die Hardcore-Punker von Deny Everything (K), Kaput Krauts (RE) und Vitamin X (Amsterdam) kräftig ein. Auch die Beteiligung an der Soli-Tombola war gut. Ein Dankeschön geht raus an die SpenderInnen, vor allem an Green Hell und den Unrast-Verlag. Die Antifaschistische Linke Münster will sich auch bei allen Bands und den HelferInnen für die Unterstützung bedanken, vor allem bei den Kollegen von Nervous Breakdown, die ihre Backline zur Verfügung stellten.

Literatur:

Primo Levi: Ist das ein Mensch. Ein autobiografischer Bericht, dtv 1995

Michael Klundt (Hrsg.): Ein Untergang als Befreiung. Der 8. Mai im deutschen Geschichtsdiskurs, Papyrossa 2005

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