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Vor dem Verbot? Bundesweite Razzien gegen HDJ

veröffentlich am Freitag, 10. Oktober 2008

In einer bundesweiten Razzia hat die Polizei gestern 100 Wohnungen und Büros in allen Bundesländern, außer in Bremen und dem Saarland, durchsucht. Bei den Durchsuchungen sollte Beweismaterial gegen die Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) sichergestellt werden. Nach Jahren der Untätigkeit wollen die Behörden die 1990 gegründete neonazistische Jugendorganisation nun verbieten. Die HDJ steht in enger personaler und organisatorischer Tradition der Wiking Jugend (WJ), die 1994 verboten worden war. Die HDJ versucht mit Zeltlagern, Fahrten und Schulungsabenden Jugendliche und Kinder an die Gedankenwelt des Nationalsozialismus heranzuführen. Viele Neonazis, z.B. aus der NPD, schicken ihre Kinder zur HDJ und arbeiten selbst für die Organisation. Ein Schwerpunkt der gestrigen Durchsuchungen war, nach Angaben des Landesinnenministeriums, das Land Niedersachsen.

Wie das Medienkollektiv Recherche Nord mitteilte, waren dort insgesamt zehn Personen von den Hausdurchsuchungen betroffen. In den Regionen Oldenburg, Göttingen, Osnabrück und Lüneburg habe die Polizei umfangreiches Beweismaterial wie Computer, digitale Speichermedien und weitere Unterlagen beschlagnahmt. Die beiden HDJ-Funktionäre und NPD-Mitglieder Christian von Felsen und Christian Fischer aus dem Osnabrücker Land waren schon mehrfach Ziel von polizeilichen Razzien. Im Juli 2006 hatten sie ein paramilitärisches Zeltlager nahe der Gemeinde Wilsum in der Grafschaft Bentheim organisiert. Dabei wurden auch Scheinhinrichtungen nachgespielt und der Umgang mit Waffen gelehrt. Bei einer nachfolgenden Hausdurchsuchung im April 2007 fand die Polizei verschiedene Feuerwaffen und Fotos von einer Rohrbombe, daraufhin folgten weitere Durchsuchungen im August 2007 im Kreis Steinfurt und dem Landkreis Osnabrück. Im Mai diesen Jahres durchsuchte die Polizei die Wohnung des NPD-Stützpunktleiters Christian Fischer in Vechta. Anlass war diesmal ein von Fischer organisiertes HDJ-Camp, bei dem „Rasseschulungen“ durchgeführt und der antisemitische NS-Film „Der ewige Jude“ gezeigt wurde.

In NRW durchsuchte die Polizei gestern u.a. eine Wohnung in Bochum-Wattenscheid. Wie AntifaschistInnen aus Bochum mitteilten, handelt es sich bei den Betroffenen um den NPD-Landesvorsitzenden Claus Cremer und dessen Lebensgefährtin, die NPD-Aktivistin Daniela Wegener.

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