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Rechtspopulismus als “Bürgerbewegung”

veröffentlich am Dienstag, 09. Dezember 2008

Im November 2007 veröffentlichte Alexander Häusler, unter Mitarbeit von Jürgen Peters, die erste Studie zu Pro NRW, einer Gruppierung, die sich als “Bürgerbewegung” inszeniert, deren ideologischen Grundlagen und die organisatorische Herkunft ihrer Führungspersonen aber beweisen, dass sie fester Bestandteil der extremen Rechten ist. Nun legt Häusler einen Sammelband vor, der die Bestandsaufnahme des pro-Netzwerkes fortschreibt und um weitere Facetten ergänzt. So werden zum Beispiel die Jugendarbeit von Pro NRW und die Aktivitäten von pro-Gruppen in München und Berlin untersucht. Lesenswert ist auch die einleitende Populismus-Definition der Soziologin Karin Priester.
Sie fasst Populismus als einen rechten Politikstil, der den vermeintlichen Volkes-Willen in der Vordergrund stellt und sich sowohl gegen “die da oben” (“Macht-Kartell der Altparteien”), als auch gegen “Sozialschmarotzer” und “Fremde” richtet. Die nationale Identität hat Vorrang vor sozialen Fragen und bildet die Grundlage für das Bündnis einer aufstrebenden Außenseiter-Elite und sich von sozialen Abstieg bedroht fühlenden Mittelschichten, welches die populistischen Parteien ausmacht. Die zweite Hälfte des Bandes befasst sich mit dem Agitations-Schwerpunkt von Pro NRW: Überall dort, wo über den Bau von Moscheen diskutiert wird, agitiert die selbst ernannte “Anti-Islam-Partei” erfolgreich gegen “Islamisierung” und “Überfremdung”. Das Thema bietet Anknüpfungspunkte bis tief in die Mitte der Gesellschaft hinein. Mit ihrer erfolgreichsten Kampagne in Köln-Ehrenfeld beschäftigen sich deshalb auch drei Artikel. Auch die zweifelhafte Rolle von Ralph Giordano in der Debatte um den Ehrenfelder Moscheebau wird nachgezeichnet. Der Frankfurter Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik skizziert in seinem Essay den Weg Giordanos vom “Aufklärer zum Stammtischpolitiker”, dessen undifferenzierte Islam-Schelte Pro Köln in die Hände spielte. Abgeschlossen wird der Band durch Vorschläge und Erfahrungsberichte zum Umgang mit Rechtspopulismus und Anti-Islam-Kampagnen in Kommunen, Parlamenten und Jugendarbeit. Fazit: Ein gelungener Sammelband, der auch LOTTA-LeserInnen neue Informationen bietet.

Alexander Häusler (Hrsg.):Rechtspopulismus als “Bürgerbewegung”. Kampagnen gegen Islam und Moscheebau und kommunale Gegenstrategien

Verlag für Sozialwissenschaften 2008

292 S,  24,90 Euro

entnommen aus: LOTTA -antifaschistische Zeitung aus NRW, Nr. 32, Herbst 2008

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