Skip to content


Münster: Fundamentalistische AbtreibungsgegnerInnen marschieren

veröffentlich am Donnerstag, 05. März 2009

Samstag den 14.03. 15Uhr am Domplatz
aktuelle Infos unter: muenster.antifa.net/eam

Schwangerschaftsabbruch ist Frauenrecht

Unter dem Motto “1000-Kreuze für das Leben ” laufen am 14.03.2009 erneut selbst ernannte “Lebensschützer” aus einem vorwiegend christlich-konservativen Spektrum durch Münsters Innenstadt um Frauen ihr Recht auf Abtreibung ab zu sprechen. An der Streitfrage Schwangerschaftsabbruch manifestiert sich auf besonders deutliche Weise das patriarchale (männerdominierte) Gesellschaftssystem in dem wir leben. Dieses versucht immer noch Frauen ihr Selbstbestimmungsrecht zu entziehen und sie in die gewünschten “frauentypischen” Rollen zu drängen. Hinter dem Versuch Abtreibung mit Mord gleich zu setzen steckt der Wunsch ganz konkret über die Körper und das Leben von Frauen entscheiden zu können.

Jede Person hat das Recht selbst zu bestimmen, was mit ihrem Körper passiert. Nur eine schwangere Frau kann beschließen, ob sie die Schwangerschaft abbricht oder nicht. Sie allein hat das Recht über ihren Körper und ihr Leben zu entscheiden.

Die OrganisatorInnen dieses Gebetsmarsches sind christliche FundamentalistInnen, denen es bei genauerer Betrachtung nicht nur um Abtreibung, sondern darüber hinaus um eine moralisierende Begründung ihrer frauenverachtenden und rechtskonservativen Ideologie geht.

Wenn in München bei dem 1000Kreuze-Marsch also Worte wie “Babycaust” benutzt und Flugblätter mit Sätzen wie “Fristenlösung ist Endlösung – mein Bauch ist kein KZ” verteilt werden, wundert es nicht, dass sich dort sogar Nazis willkommen fühlen und auch erst nach massivem öffentlichem Druck wieder ausgeladen werden. Wolfgang Hering, der Veranstalter des 1000Kreuze-Marsches in München dazu: “Jeder, der von Herzen in diesem Anliegen mit uns mitbeten möchte, ist willkommen.

Auch verwundert es nicht, dass nach 1945 der erste Exkommunizierte der katholischen Kirche kein Naziverbrecher oder anderer Massenmörder war, sondern ein Arzt der legal Schwangerschaftsabbrüche durchführte.

Eines von vielen erschreckenden Beispielen dafür, mit welchen Menschenverachtung christlicher Fundamentalismus in der 80er Jahren auch in Münster von der Kanzel predigte, ist Pfarrer Werner Wehmeyer. Dieser konnte in der Zeitung “Kirche und Leben” aus Münster sogar behaupten: “Die Nazis haben ihren Massenmord immerhin noch mit einer Ideologie versehen. Es war nicht kaltherzige Ichsucht, wie etwa heute bei der Abtreibung. [...] Die Nazis haben sich an unschuldigen Menschen ausgelassen, die weitgehend erwachsen waren und sich gegen das ihnen angetane Unrecht empören konnten. [...] Die Charakterlosigkeit [der abtreibenden Frauen] ist noch abgründiger als bei den Nationalsozialisten.

Welche Aktualität diese krude Argumentation besitzt, zeigt sich in dem Fall des Augsburger Bischofs Walter Mixa. Dieser setzt in Anspielung auf den Piusbruder Richard Williamson, der den Holocaust direkt ganz leugnete, die 6 Millionen Holocaustopfer mit Abtreibung in Verbindung. “Es hat diesen Holocaust sicher in diesem Umfang mit sechs Millionen Getöteten gegeben. Wir haben die Zahl durch Abtreibungen aber bereits überschritten.” Auch hier zeigt sich einerseits erneut die Verharmlosung der Naziverbrechen und gleichzeitig der Versuch Frauen, die eine Schwangerschaft abbrechen in die Nähe von Nazis zu stellen.

Abtreibung verteufeln und gleichzeitig den Holocaust relativieren? “Leben schützen” und zugleich Massenmord im Minutentakt verharmlosen? Ein markantes Beispiel dafür, wie diese scheinbare Menschenfreundlichkeit in diesem Widerspruch ihr eigentliches Gesicht zu erkennen gibt.

Gemeinsam laut und kreativ
gegen AbtreibungsgegnerInnen
gegen selbsternannte “Lebensschützer”
gegen christlichen Fundamentalismus!!!

Für das uneingeschränkte Selbstbestimmungsrecht von Frauen!

My choice

Inhaltlich verwandte Beiträge:

  1. Christliche Fundamentalist_innen blockiert! Der für heute, 14. März, in Münster (Westf.) geplante Kreuzzug christlich-fundamentalistischer Abtreibungsgegner_innen  konnte für 2 Stunden blockiert werden. Ein antisexistisches Bündnis hatte zu kreativen Gegenprotesten geladen. Es lief von Anfang an nicht segensreich für die selbsternannten “Lebensschützer” aus Münster und anderen Teilen der Republik, mobilisiert durch die christlich-fundamentalistische Organisation “Euro Pro Life”. Hatte die lokale Presse [...]...
  2. Neue Ausgabe der Antifa-Zeitschrift LOTTA erschienen Lange Zeit wurden extrem rechte Frauen – auch von antifaschistischen Gruppen – nicht als eigenständige Akteurinnen wahrgenommen. Neofaschismus galt als ein Männerproblem. Ein verengter Blick auf das Gewaltphänomen im Neofaschismus bestärkte diese Sichtweise. Es waren vor allem feministische Antifa-Gruppen, deren Veröffentlichungen daran etwas änderten. Die aktuelle, 28te Ausgabe der NRW-Antifa-Zeitschrift LOTTA beschäftigt sich ausführlich [...]...
  3. Zeugen aus der Todeszone Zeugen aus der Todeszone – Das jüdische Sonderkommando in Auschwitz Eric Friedler, Barbara Siebert und Andreas Kilian Etwa 1,5 Mio Menschen starben in den Gaskammern von Auschwitz. Ihre genaue Zahl wird nie ermittelt werden können, weil die Nazis alles dafür taten, die Spuren des Massenmords zu vernichten, so auch das jüdische Sonderkommando, welches zu der Arbeit [...]...
  4. Expertise: Rechtspopulismus in Gestalt einer Bürgerbewegung Die Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Migrantenvertretungen/NRW hat nun die Langfassung der Expertise “Rechtspopulismus in Gestalt einer Bürgerbewegung” veröffentlicht. Die Untersuchung, die von der Arbeitsstelle Neonazismus der Fachhochschule Düsseldorf erstellt worden ist, behandelt die extrem rechten Gruppen Pro NRW, Pro Köln und Pro Deutschland. Auch in Münster wollte die Rechten einen Ableger gründen, was bislang noch [...]...
  5. Veranstaltungsbericht zur Reichspogromnacht in Münster Am Ende war Schweigen. Schweigen angesichts der Ereignisse, die am 9. November 1938, davor und danach in Münster wie im gesamten Deutschen Reich stattgefunden hatten. Blumen. Kerzen. Schweigen. Dass Auschwitz, Symbol für die Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden im nationalsozialistischen Deutschen Reich, auch in Münster lag – dies aufzuzeigen hatte sich die Jugendgeschichtswerkstatt Münster für [...]...

HINWEIS:

Mitglieder extrem rechter Parteien oder Organisationen, sowie Personen, die der rechten Szene angehören oder mit ihr sympathisieren oder in der Vergangenheit durch rassistische Wortbeiträge aufgefallen sind und Veranstaltungen gestört haben, sind von der Teilnahme an den Veranstaltungen ausgeschlossen. Dies gilt auch für Mitglieder farbentragender Studentenverbindungen. Die VeranstalterInnen behalten sich vor von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen.

Wenn du Ergänzungen zu diesem Beitrag hast, dann nutze unser Kontaktformular oder schicke uns eine eMail an contact@antifa-netzwerk.de.

Tagged with , , , , .