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Führungsstreit auf dem Parteitag und Finanzprobleme plagen die Neonazi-Partei NPD

veröffentlich am Montag, 06. April 2009

So schnell wird bei der NPD wohl keine Ruhe einkehren, auch wenn der Bundesparteitag in Berlin zumindest die Frage des Vorstandes geklärt hat. Der neue Vorsitzende ist der Alte: Udo Voigt, seit 1995 Chef der Neonazi-Partei und zuletzt wegen seines Umgangs mit der Finanzaffäre seines ehemaligen Intimus Erwin Kemna in die Kritik geraten. Ihm zur Seite werden Getreue aus dem offen neonazistisch auftretenden Flügel der Partei stehen. Kurz vor dem Parteitag erreichte die NPD aber die nächste Hiobs-Botschaft: Die Bundestagsverwaltung fordet 2,5 Millionen Euro von der Partei, weil deren Rechenschaftsberichte fehlerhaft waren. Zu Beginn des „Superwahljahrs“ sind die Parteikassen leer.

Ohne Zweifel, es ist die größte Krise der NPD seit vielen Jahren. Sich deshalb aber entspannt zurück zu lehnen und auf die innere Demontage und Selbstauflösung der Neonazi-Partei zu warten, ist nicht angesagt. Die NPD hat in ihrer Geschichte schon einige Krisen bewältigt, in den Siebziger und Achtziger Jahren beispielsweise, als die Partei im personellen wie finanziellen Niedergang begriffen war. Anders als damals ist sie heute aber noch immer in zwei Landtagen und etlichen Kommunalparlamenten vertreten. Und die Chancen eines weiteren Landtagseinzugs, zum Beispiel in Thüringen, stehen nicht schlecht. Bloß das Geld für aufwändige Wahlwerbung wird ihr fehlen. Um mindestens 800.000 Euro hatte ihr ehemaliger Bundesschatzmeister Erwin Kemna (Ladbergen) die Partei erleichtert, um damit sein marodes Unternehmen zu sanieren. 2,5 Millionen Euro Strafzahlung erwartet nun die Bundestagsverwaltung. Da fallen die knapp 300.000 Euro Wahlkampfkostenrückerstattung, die der NPD nun doch noch gerichtlich zugesprochen wurden, nicht weiter ins Gewicht, zumal ihre Auszahlung so lange verhindert wird, bis die Partei eine “Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des zu vollstreckenden Betrages” aufweisen kann.

Führungsstreit auf unterstem Niveau
Einer, der von der NPD-Pleite profitiert, ist der Hamburger Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger. In den letzten Jahren hat er der Partei mehrfach mit Beträgen im sechsstelligen Bereich unter die Arme gegriffen. Das zahlte sich nun in einem Posten als stellvertretender Vorsitzenden aus. Rieger hatte sich im Machtkampf um die Parteiführung früh auf die Seite von Voigt geschlagen. Genauso wie andere Protagonisten des Parteiflügels, die aus dem Spektrum der „Freien Kameradschaften“ stammen. Nach anfänglicher Kritik hatten sie sich aus Angst, dass der, wenig später von den eigenen Kameraden geschasste, Gegenkandidat Andreas Molau eine „Entnazifizierung“ der Partei vorantreiben könnte, hinter Voigt gestellt. Der ehemalige Waldorfschulen-Lehrer und Publizist Molau war wegen kritischer Äußerungen über das Auftreten der „Freien Kameradschaften“ und seiner Ankündigung, er wolle die NPD „auch für bügerlich-konservative Kreise wählbar“ machen, angegriffen worden. Was folgte war kein „Richtungsstreit“, sondern ein Machtkampf, ausgetragen auf unterstem Niveau, der sich, BeobachterInnen zufolge, auch auf dem Bundesparteitag fortgesetzt haben soll. In Videobotschaften und Internetbeiträgen fielen die beiden Lager übereinander her. Aus Rieger`s Umfeld wurde der Vorwurf laut, Molau sei „ein Achtel-Jude“. Molau gibt schließlich entnervt auf, als ihn die ihn eigentlich unterstützenden Fraktionen aus Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern fallen lassen. Er arbeitet nun als Pressesprecher der DVU, allerdings ohne sein NPD-Parteibuch abzugeben. Der mecklemburg-vorpommersche Fraktionschef Udo Pästors wurde Voigt`s Gegenkandidat, um ihm schließlich mit 72 zu 136 Stimmen zu unterliegen. Seine anderen Kandidaten konnte Voigt leicht durchbringen. Im Vorstand sind nun neben Rieger der Münchener Karl Richter und Frank Schwerdt vertreten. Als Beisitzer wurden u.a. die beiden Führer der norddeutschen Kameradschaftsszene Thomas Wulff und Thorsten Heise gewählt, ebenso der NRW-Landesvorsitzende Claus Cremer. (siehe auch hier) Nicht mehr im Vorstand vertreten sind die Fraktionsvorsitzenden Pastörs und Holger Apfel (Sachsen) sowie der ehemalige Generalsekretär Peter Marx, den Voigt auf dem Parteitag als Sündenbock präsentierte. Er sei für die Intrigen verantwortlich. Auch Marx war von „Kameraden“ wegen seines zweiten Vornamens „Jakob“ als Jude „geoutet“ worden.

Spaltung ohne grundsätzlichen inhaltlichen Dissens
Der Journalist Thomas Sager hat in einem Beitrag für den „Blick nach rechts“ jüngst darauf hingewiesen, dass in den Streitigkeiten vor allem persönliche Ambitionen ausgefochten werden und keine inhaltlichen oder strategischen Fragen. Auch Pastörs gibt gerne den verbalradikalen Neonazi, seine Aschermittwochsrede bei der Saar-NPD, in der er die BRD als „Judenrepublik“ bezeichnete und vor den „gefährlichen Samenkanonen“ türkischer Einwanderer warnte, brachte ihm ein Ermittlungsverfahren ein. Sager: „Ohnehin fällt es schwer, NPD-Politiker eindeutig bestimmten Richtungen zuzuordnen. Das gilt nicht nur für Pastörs. Jürgen Gansel beispielsweise, auch er ein schroffer Gegner Riegers, den er einen „Samenbanker“ und „Schädelvermesser“ nannte, wird dadurch längst nicht zum „Gemäßigten“. Noch im vorigen November veröffentlichte er ein durch und durch rassistisches und antisemitisches Pamphlet, das nach kurzer Zeit wieder von der Homepage der Bundes-NPD verschwand – womöglich, weil es den Parteioberen zu peinlich war und wegen der Sorge vor strafrechtlichen Konsequenzen.“ In ihrem virulenten Rassismus und Antisemitismus ist sich die NPD also weiterhin einig. Ob es Udo Voigt allerdings je wieder gelingen wird, als „Integrator“ der verschiedenen Parteiflügel zu wirken, darf bezweifelt werden.Die NPD-Landtagsfraktionen haben jüngst ein Manifest veröffentlicht, in dem sie einen “gegenwartsbezogenen und volksnahen Nationalismus“ ankündigten, „der die soziale Frage in der Mittelpunkt der Programmatik stellt und der sich von unpolitischer Nostalgiepflege, ziellosem Verbalradikalismus und pubertärem Provokationsgehabe abgrenzt”. Vom Bundesvorstand werden sie sich nichts vorschreiben lassen.

An der Basis bröckelt es?
Unklar ist zur Zeit ebenso, wie viele Mitglieder und Funktionäre der NPD verloren gehen werden. An den lokalen Parteistrukturen im Kreis Steinfurt scheint die Krise auf jeden Fall nicht spurlos vorbei gegangen zu sein. Wurde im November 2007 noch großspurig die Gründung der NPD-Ortsgruppe Rheine bekannt gegeben, ist dort nach der Kemna-Affäre Funkstille eingetreten. Ohne Erklärung verschwand die Internetseite der NPD Rheine, sie leitet nun zur Seite des Kreisverbands Steinfurt weiter. Nach der Absage der Kommunalwahl-Kandidatur sind auch die NPD-„Aktionen“ selten geworden. Auch von den aufstrebenden FunktionärInnen Gerrit Gerdes und Iris Niemeyer, sie waren die Vorsitzenden der Ortsgruppe Rheine, ist nichts mehr zu hören. Zur Bundestagswahl hat die NPD ihre langjährigen Parteisoldaten Dennis Dormuth (Münster), Matthias Pohl (Steinfurt III) und Markus Pohl (Steinfurt I/Borken I) aufgestellt.


Weiterlesen: Ausführliche Berichterstattung zum Bundesparteitag bei NPD-Blog.info

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  1. Kemna-Affäre: Ermittlungen gegen NPD-Chef Voigt Die Affäre um den ehemaligen Bundesschatzmeister der NPD, Erwin Kemna, weitet sich aus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun auch gegen zwei Wirtschaftsprüfer und den Bundesvorsitzenden Udo Voigt. Ihnen wird vorgeworfen, Rechenschaftsberichte manipuliert und Gelder auf „Schwarze Kassen“ transferiert zu haben. Bislang war es der Partei gelungen, die Verantwortung für ihr finanzielles Chaos auf den nun inhaftierten [...]...
  2. Erwin Kemna: Anklage wegen gewerbsmäßiger Untreue Die Staatsanwaltschaft Münster hat heute beim Landgericht in Münster Anklage gegen den früheren Bundesschatzmeister der neonazistischen NPD beantragt. Erwin Kemna wird vorgeworfen über 800 000 Euro aus den Parteikassen der NPD entwendet zu haben und dieses Geld für private Geschäfte in Lengerich verwendet zu haben. Sollte die Anklage durchkommen und Erwin Kemna wegen gewerbsmäßiger Untreue zum Nachteil [...]...
  3. Erneute Anklage: Hat Erwin Kemna für die NPD Parteispenden erschlichen? Bereits am 21. Dezmeber machte diese Meldung die Runde im bundesdeutschen Blätterwald. Die Staatsanwaltschaft Münster eröffnet ein erneutes Verfahren gegen Erwin Kemna – ehemaliger Schatzmeister der neonazistischen NPD. Kemna wurde bereits im September 2008 wegen Betrugs  in Münster zu zwei Jahren und acht Monaten verurteilt. Hintergrund dieses Verfahrens stellte Unregelmäßigkeiten auf den Konten der NPD über [...]...
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Ergänzungen

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  1. Das Nachrichtenportal “redok” schrieb zur NPD-Finanzkrise.

    Parteifinanzierung vom Arbeitsamt
    redok
    07.04.2009

    Berlin. Wegen ihrer Finanzkrise kann die mittellose NPD das Personal ihrer Parteizentrale nicht weiterbezahlen. Damit wird erneut eine versteckte öffentliche Finanzierung der rechtsextremen Partei möglich: die entlassenen Funktionäre beziehen Arbeitslosengeld und arbeiten gleichzeitig “ehrenamtlich” für die NPD-Zentrale.

    Am gestrigen Montag suchte NPD-Bundesgeschäftsführer Eckart Bräuniger, der am vergangenen Wochenende erneut in den Partei-Bundesvorstand gewählt wurde, erst einmal das Arbeitsamt auf. Wie weitere vier Angestellte der NPD-Parteizentrale in Berlin-Köpenick musste er sich arbeitslos melden, meldete das Inforadio des Rundfunk Berlin-Brandenburg.

    Wegen der Unterschlagungen des früheren Schatzmeisters Erwin Kemna, der von der Bundestagsverwaltung verhängten Strafzahlung und der blockierten Auszahlung der staatlichen Parteienfinanzierung kann die NPD kein Personal mehr bezahlen. Dabei hatte sie gerade erst Ende 2007 die letzte Strafzahlung abgestottert, die von der Bundestagsverwaltung wegen illegaler Geldbeschaffungs-Methoden im Landesverband Thüringen gegen die NPD verhängt worden war.

    870.000 Euro hatte die NPD deswegen zurückzahlen müssen, die Bundestagsverwaltung stellte die Zahlungen an die NPD ab November 2006 vollständig ein. Erst im Februar 2007 konnte die NPD erreichen, dass wenigstens ein Teil der Parteienfinanzierung wieder ausgezahlt wurde, während mehr als die Hälfte der ihr rechnerisch zustehenden Auszahlungen zur Tilgung der Rückzahlung einbehalten wurde.

    Als kein Geld mehr vom Bundestag an die NPD floss, konnte das Personal der Parteizentrale nicht weiter bezahlt werden; der organisatorische Betrieb der gesamten Partei war gefährdet. Doch die NPD-Führung unter Udo Voigt ließ sich davon nicht beeindrucken und praktizierte ein Modell, wie der Parteibetrieb trotzdem aufrecht erhalten werden konnte und dazu auch noch aus Mitteln der Arbeitsverwaltung bezahlt wurde.

    In seiner “Ansprache zum Rechenschaftsbericht des Parteivorsitzenden” erklärte Udo Voigt den Delegierten beim letztjährigen Parteitag in Bamberg unverblümt, wie die NPD sich aus der Kasse der Arbeitsverwaltung bediente:

    Auch solche Maßnahmen konnten uns nicht von der Arbeit abhalten. “Arbeitslos aber nicht wehrlos”, heißt es auf einem NPD-Flugblatt. In der Tat, alle Mitarbeiter meldeten sich zwar arbeitslos, konnten aber nicht vermittelt werden. So halfen sie dann in ihrer freien Zeit ehrenamtlich, um den Dienstbetrieb in der Zentrale aufrecht zu erhalten.

    Die entlassenen Mitarbeiter wurden “im Laufe des Jahres 2007″ nach und nach wieder eingestellt. Jetzt wird offenbar erneut nach diesem Rezept verfahren. Während das “nicht vermittelbare” NPD-Personal Arbeitslosengeld bezieht, kann die Parteizentrale “ehrenamtlich” weiter betrieben werden. Dieses Mal werden allerdings 2,5 Millionen Euro Strafzahlung gefordert, also der dreifache Betrag der letzten Rückzahlung. Dem entsprechend dürfte auch die Finanzierung der NPD-Zentrale durch die Arbeitsverwaltung länger ausfallen als vor zwei Jahren.

  2. npd-blog.info schrieb am 11.04.09

    NPD offenbar nicht mehr zahlungsfähig / NPD-Chef Voigt soll Geld für Geliebte “verwendet” haben

    Die NPD ist nach Angaben des Funktionärs Stefan Köster nicht mehr zahlungsfähig. Laut einem Bericht der der “Jungen Freiheit” sagte Köster, der den offenbar fehlerhaften Rechenschaftsbericht für das Jahr 2007 mit zu verantworten hat, beim Sonderparteitag in Berlin, es gebe so gut wie keine Spender und Darlehensgeber mehr. “Wir sind als Bundespartei nicht mehr zahlungsfähig”, so Köster den Angaben zufolge. Er warf Voigt demnach zudem vor, Parteigelder nicht – wie bereits berichtet – für eine Sekretärin, sondern für eine “private Liebschaft” verwendet zu haben.

    Holger Apfel warf Voigt dem Bericht zufolge vor, Leute wie Jürgen Rieger oder der Vertreter der radikalen “freien Kräfte”, Thomas Wulff, stünden für einen “unglaublichen Niveauverfall in der NPD”. Rieger und Wulff wurden bei dem Parteitag in den Bundesvorstand der Partei gewählt. Voigt konnte sich gegen seinen Herausforderer Udo Pastörs durchsetzen. Daraufhin zogen sich mehrere einflussreiche Funktionäre aus der Parteispitze zurück.

    “Sächsischer Weg”

    Die Machtkämpfe gehen unterdessen weiter. Die sächsischen NPD-Landtagsabgeordneten Apfel und Jürgen Gansel, die nicht mehr für den Bundesvorstand der Partei kandidiert hatten, wollen künftig “ohne Last der Zugehörigkeit zum Parteivorstand […] in kritischer Loyalität zum neugewählten Vorstand stehen und deutlicher als früher auf Fehlentwicklungen in der Partei hinweisen”.

    In einer Erklärung heißt es weiter, die sächsischen NPDler wollten – offenbar im Gegensatz zum Bundesvorstand, der von offen neonazistischen Kräften dominiert wird – “der ganzen Partei bei den Kommunal- und Landtagswahlen die Erfolgsträchtigkeit des „sächsischen Weges“ […] beweisen”. Damit sollen “alle politikfähigen nationalen Kräfte auch über Sachsen hinaus” angesprochen werden. Dieser “sächsische Weg” stehe für einen “gegenwartsbezogenen und volksnahen Nationalismus, der die soziale Frage in der Mittelpunkt der Programmatik stellt und der sich von unpolitischer Nostalgiepflege, ziellosem Verbalradikalismus und pubertärem Provokationsgehabe abgrenzt”. Apfel und Gansel erteilten Spekulationen, dass “sächsische Abgeordnete und Funktionäre zum Bündnispartner DVU wechseln wollten, eine klare Absage”.

    http://npd-blog.info/2009/04/11/npd-offenbar-nicht-mehr-zahlungsfahig-npd-chef-voigt-soll-geld-fur-geliebte-verwendet-haben/

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