Am 1. Juli wurde Marwa El-Sherbini im Dresdner Landgericht von Alex W. mit mehren Messerstichen ermordet. Alex W. tätigte wenige Minuten vor der Tat noch rassistische Aussagen wie: „wenn die NPD an die Macht kommt, [ist] damit Schluss ” und, ob “sie überhaupt ein Recht [habe], in Deutschland zu sein?”. Der Tat vorausgegangen war eine Auseinandersetzung am 21.August 2008 auf einem Spielplatz in Dresden, bei der Marwa El-Sherbini von Alex W. als “Schlampe”, “Islamistin” und “Terroristin” beschimpft wurde. Das Amtsgericht Dresden verurteilte drei Monate später Alex W. zu einer Geldstrafe von 780 €. Die Staatsanwaltschaft ging auf Grund des als von ihr zu milde empfunden Urteils in Berufung. Diese Verhandlung fand dann im Juli statt. Als Marwa El-Sherbini ihre Aussage als Zeugin beendete, griff Alex W. sie mit einem von ihm mitgebrachtem Messer an und stach auf sie ein. Auch die Intervention des Ehemannes und des Verteidigers konnten Marwa El-Sherbini nicht mehr retten. Sie starb noch im Gerichtssaal. Ihr Ehemann Elwie El-Sherbini wurde von dem Messer des Täters, sowie der Kugel eines Bundespolizisten verletzt, der dachte Elwie El-Sherbini wäre der Angreifer. Er musste mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden.
Der Koordinierungsrat der Muslime sowie der Zentralrat der Muslime veurteilten beide die Tat und zeigten sich besorgt über ein Klima der Islamphobie in Deutschland. Der Zentralrat der Juden in Deutschland wandte sich gemeinsam mit seinem muslimischen Amtskollegen Aiman Mazyek am Rande eines Kondolenzbesuches am Krankenbett von Elwie El-Sherbini, gegen die zunehmende “Islamophobie”.
Der Generalsekretär Stephan J. Kramer des Zentralrats der Juden kritisierte die spärlichen Reaktionen in den deutschen Medien und der Politik: „Warum kamen die Reaktionen der Medienlandschaft wie der Politik auf den Mord so spät? Jetzt wird, nicht zuletzt unter dem Druck der internationalen Öffentlichkeit, nachgebessert. Allerdings überzeugt erzwungene Betroffenheit nicht.“ Die Stellungnahme bezieht sich hierbei auf die Stadt Dresden, die sich erst 9 Tage nach der Tat mit einer Stellungnahme zu Wort meldete. Dieses Desinteresse wurde weltweit kritisiert (Middle East Institute Washington).
Die Trauerkundgebung in Dresden am 11.07. verdeutlichte das Desinteresse der deutschen Mehrheitsgesellschaft. So wollte die CDU-Oberbürgermeisterin Helma Orosz ihren Griechenlandurlaub nicht aufgeben und schickte stattdessen nur ihren ersten Stellvertreter. Aber auch die Dresdner Bevölkerung scheint, zumindest nach dem offenen Brief von Prof. Dr. Wolfgang Donsbach (SZ-Online) nicht an einer klaren Solidarisierung mit den Betroffenen interessiert.
Der rassistische Alltag geht indes für viele Migrant_innen weiter. So wurde in der Kleinstadt Grimma am 23. Juni von Migrant_innen eine Kirche besetzt um gegen die unzumutbaren Bedingungen in den Flüchtlingsunterkünften aufmerksam zu machen (Indymedia).
Diese Aktion beendeten die Flüchtlinge nach vier Wochen selbst, da die Mehrheitsgesellschaft sie und nicht die schlechte Unterkunft als das eigentliche Problem ansah. Sogar offene Morddrohungen kamen aus den Reihen der Grimmaner Bevölkerung a la „eine Handgranate in die Kirche [ist eine ] gute Idee“.
(Antifa RGB)
Die Situation in Grimma verdeutlicht, dass die Aussage von Helma Orosz „Fremdenhass oder Ablehnung von Muslimen[..] [ist] kein Alltag, sondern die Haltung einer kleinen Minderheit“ falsch ist. Vielmehr ist Rassismus durchaus ein Problem der Mitte Gesellschaft. Insofern ist es sehr fraglich, ob auf die Lippenbekentnisse bzw. „erzwungene Betroffenheit“ auch Taten folgen.
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