Seit dem 13. August dürfen Nazis bisher verbotene NS-Parolen straffrei verbreiten, solange sie nicht in deutscher Sprache formuliert sind. Dies entschied der Bundesgerichtshof (BGH) mit dem Urteil des Verfahrens gegen einen Nazi, der ein “Blood and Honour” T-Shirt trug. “Blut und Ehre” war eine gängige Parole während des Nationalsozialismus. Damit öffnet die deutsche Gesetzgebung der Widerbelebung nationalsozialistischer Parolen Tür und Tor. Die Verbreitung von rassistischem und antisemitischen Gedankengut mit klarem NS-Bezug fällt Nazis so noch leichter, soweit sie denn eine Fremdsprache beherrschen.
Das Urteil zeigt vor allem, dass eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Problem der extremen Rechten in Deutschland nicht vorhanden ist.
Der Strafsenatsvorsitzende des Bundesgerichtshofs betonte richtig, dass das Strafrecht allein nationalsozialistisches Gedankengut nicht aus den Köpfen verbannen kann. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass jedes Verbot von Schriftzügen und Parolen lediglich die Kreativität der Nazis fördert. So zum Beispiel um die verbotene Parole “Heil Hitler”, die sich in die Zahlenkombination “88″ verwandelte. Als ebenfalls gegen die “88″ vorgegangen wurde, ersetzten die Nazis es einfach durch “87+1″ oder “44×2″ und ähnliches. Ebenso kann die Parole “Ruhm und Ehre der WaffenSS” straffrei verwendet werden, da es diese Parole in der Art während des Nationalsozialismus nicht gegeben hat, es gab lediglich die Parole “Ruhm und Ehre”. Will man nicht alle Zahlen oder am besten direkt die komplette deutsche Sprache verbieten, so zeigt sich ziemlich schnell, dass die Auseinandersetzung mit der extremen Rechten eher auf die gesellschaftliche, als auf die juristische Ebene gehört.
Um Nazis wirkungsvoll zu bekämpfen wäre es überaus notwendig, aktiv gegen den in der Mitte der Gesellschaft vorhandenen Rassimus, Seximus und Antisemitismus vor zu gehen und so den Nazis den Nährboden zu entziehen. Nazis sind kein Phänomen außerhalb der Gesellschaft, sie sind, so bitter es ist, Teil der Gesellschaft. Solange der deutsche Staat Flüchtlinge in Knäste sperrt und Menschen aufgrund ihrer Herkunft in ihrer Bewegungsfreiheit einschränkt, ist es nur konsequent den Nazis ihre Parolen zu erlauben, denn der Staat hat mehr Menschenleben auf dem Gewissen, als es Neonazis vermutlich je haben werden. Es ist wichtig Nazis nicht aus den Augen zu verlieren, sondern aktiv gegen sie vorzugehen. Diese Aufgabe der Justiz überlassen zu wollen ist lediglich ein sich-drücken vor der Verantwortung.
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